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Der jüdische Student · 1909-06-17 · Heft 3 (17.6.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
6 (1909-1910)
Issue
Heft 3 (17.6.1909)
Date
1909-06-17
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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50 Der jüdische Student. nicht festzulegen, so können sie später ohne grosses Aufsehen ruhig die Weltanschauung ihrer Vorgesetzten für die ihre ausgeben. So gelangt man am leichtesten zu Ehren und Vorteilen. —- Freilich, ob eine solche Handlungsweise gerade ehrenvoll ist, ist eine andere Frage. Schliesslich wird noch erklärt, nachdem von der politischen Reife die Rede war: „Nur für wenige von uns wird diese Reife schon in den Studentenjahren kommen!*' — Das ist ein offenes Zugeständnis, das sympathisch berührt. Ueber die zwiespältige Stellungnahme der AI A. in der Frage: „Student und Politik*' ist schon bei früherer Gelegenheit genug gesagt worden. — Die Jrid. Rdsch. brachte in Nr. 18 eine Notiz über in der Tat seltsame Vorgänge an der Berliner Universität, die wohl einer amtlichen Aufklärung bedürfen: An der Berliner Universität liegt in den Kollegienbüchern, die zur Immatrikulation an die Studenten abgegeben werden, ein Aufruf der „Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege". In diesem Aufrufe, der zur Mitgliedschaft in der Genossenschaft auffordert, heisst es: ..Die Genossenschaft setzt bei ihren ordentlichen Mitgliedern voraus: eine christliche Gesinnung, die vor keiner Dienstleistung zurückschreckt, sowie die Bereitwilligkeit, auch im Frieden das Erlernte bei Unglücksfällen im Sinne von Samariterdiensten anzuwenden. Personen, welche ohne dem christlichen Bekenntnisse anzugehören, von derselben Opferfreudigkeit durchdrungen sind, werden zur Mitgliedschaft zugelassen.1" Die „Welt am Montag" bringt diese Notiz unter der Spitzmarke „Unzeitgernässe Arroganz" und kommentiert sie wie folgt: Welchen sachlichen Zweck die Erwähnung der christlichen Gesinnung hier hat, da doch ausdrücklich Nichtchristen von der Mitgliedschaft nicht ausgeschlossen sind, ist nicht einzusehen. Offenbar hat hier nur ein verstaubtes und verdüstertes „christliches" Theologengemüt seiner Arroganz die Zügel schiessen lassen. Allgemein menschliche Barmherzigkeit nur bei „christlicher Gesinnung4' zu suchen, das fällt heutzutage keinem vernünftigen Menschen mehr ein. Man sollte an der Berliner Universität, wo man so etwas offiziell verbreitet, sich besser der Klage Schilters über die Verfolgung Rousseaus erinnern: „Rousseau leidet, Rousseau fällt durch Christen, Rousseau -— der aus Christen Menschen wirbt.44 Dass die „Genoss. Freiw. Kr.44 derartige Klauseln stets Hebte, weiss jeder Kenner; toli ist aber die Bereitwilligkeit, mit der die Universitätsbehörde dieser Antisemitelei Vorschub leistet. Die M. A. von 11). Mai bringen über Äantisemitische Tendenzen unter den Technikern44 einige Enthüllungen,

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