Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 3 (17.6.1909)
- Date
- 1909-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Der jüdische Student. Allein auch in der Debatte dieser Junge i .1 selbst konnten, trotzdem sich unter ihnen zweifellos Vertreter aller jüdischen Weltanschauungen fanden, wirklich prinzipielle Gesichtspunkte nur ganz leise anklingen. Nicht als ob die Begründung eines Verbandes 'sämtlicher Jugendvereine — der äussere Zweck der Tagung — der Versammlung - in organisatorisch-technischer Beziehung gar zu grosse Schwierigkeiten bereitet hätte. D*e Lösung der Schwierigkeiten, die sich hier allerdings sicherlich ergeben werden, ist im grossen und ganzen der Praxis uberlassen worden. Sondern kostbare Stunden raubten der Versammlung einmal die Vertreter der — insbesondere Frankfurter — Orthodoxie: mit Behagen traten sie die so unwichtige Tatsache breit, dass der Vorstand des Berliner Jüdischen Jugendbundes in der Hinladung zu einem anlässlich der Delegiertenversammlung stattfindenden Ausfluge auf die Möglichkeit hingewiesen hatte, an dem Ausflugsorte Mittag zu essen; sie suchten den selbstverständlichen Grundsatz, dass bei den offiziellen Veranstaltungen des Verbandes gegen das jüdische Religionsgesetz nicht Verstössen werden darf, zur Existenzgrundlage des Verbandes zu stempeln. — Den hiernach noch freibleibenden Teil der knapp bemessenen Zeit aber brauchte die Versammlung, um über etwas zu debattieren, was die allererste Vorbedingung für die Gründung des Verbandes überhaupt hätt^ sein sollen, — über die Selbständigkeit des Verbandes. Der Vizepräsident der Grossloge hatte bei der Eröffnung der Versammlung feierlich erklärt, dass die Grossloge (die sich um die Gründung zahlreicher Jugend vereine und um die Vorarbeiten für die Verbandsschaffung selbst, wie anerkannt werden muss, in verdienstvoller Weise gekümmert hatte) fortan jede Einwirkung auf den Verband ablehnen und ihn völlig frei gewahren lassen werde. Allein schon die Frage der Zusammensetzung des Verbandes gab den Vertretern der Grossloge Anlass zur Revision ihres Standpunktes. Der Umstand, dass die uberwiegende Mehrzahl der Delegierten sich geneigt zeigte, einen Passus des Verbandsstatuts zu streichen, der Vereine mit bestimmter politischer oder religiöser Richtung vom Verbände ausschliesst (es handelt sich in praxi in erster Reihe um die zionistischen Jugendvereine), machte aus* der uneigennützigen Protektorin eine selbstwillige Geldgeberin: die Vertreter der Grossloge erklärten geradeheraus, dass bei Streichung der Bestimmung die für die Existenz des Verbandes unumgänglich notwendige Subvention von der Grossloge nicht gezahlt werden würde. Dem geschickten Leiter der Versammlung gelang es nunmehr — soll man ihm dafür dankbar sein? —, die Majorität zur Annahme der der Loge genehmen Fassung zu bewegen und so einen äusseren Konflikt zu vermeiden. Mit grösserem Erfolge kämpften die Oppositionellen — insbesondere die Vertreter der Jugendvereine von Berlin, Hannover und -Magdeburg — für eine Verselbständigung der Verbandslcitung. In dem Verbandsvorstand wird die Grossloge lediglich durch einen