Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 3 (17.6.1909)
- Date
- 1909-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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üTouatsKf>rift bcö 25unbe» Jübikkr- CorpKutioncH Berlin, 17. Juni .flo. 3. . Die Jügeudvereiusbewegung, Auf den 30. Mai hatte die Grossloge von Deutschland Delegierte der jüdischen Jugendvereine, die während der letzten Jahre allenthalben in Deutschland entstanden sind, nach Berlin zusam« mengerufen. Da es längst klar geworden ist, dass das künftige Schicksal aller jüdischen Politik überhaupt allein dav on abhängt, ob und wie unsere Jugend dazu Stellung nimmt, musste rsan dieser Tagung von vornherein lebhaftes Interesse entgegenbringen. Eine für die Allgemeinheit wichtige gesetzgeberische Tat, wie sie wenige Wochen zuvor der Gemeindetag — hatte vollbringen sollen, lag ihr zwar nicht ob. Aber ein Ausblick auf die Gedankenwelt der jüdischen Jugend durfte von ihr erwartet werden. Man war zu der Hoffnung, eine — wenn auch gedrängte — Übersicht über die Stellungnahme der gesamten judischen Jugend Deutschlands' zu den Problemen der jüdischen Politik zu erhalten* um so eher berechtigt, als die Grossloge in weiser Generosität alle materiellen Schwierigkeiten, die sich gerade bei der JugemB einer wirklichen Gesamtvertre'ung entgegenstellen, aus dem Weg£ geräumt zu haben schien: Sie hatte jedem jugendverein Reise- und Tagegelder für seine Delegierten zur Verfügung gestellt. Wer in der Absicht, die Veranstaltung t®£er solchem Gesichtswinkel zu betrachten, in die Delegierten Versammlung kam, dem bereitete schon das äussere Bild, das die Versammlung bot, eine Enttäuschung. Sicherlich sind Männer, die aber das Schwabenalter hinaus sind, Männer „in den besten Jahren', im allgemeinen die geeignetsten Delegierten, wenn gewichtige Körperschaften bedeutsame Beschlüsse zu fassen haben. Aber dsss bei dem Vertretertage der jüdischen Jugend Deutschlands der eine der beiden Delegiertentische fast ausnahmslos von vollmd graubärtigen Herren eingenommen wurde, mutete doch seltsam an. DieBeiechtigung dieser Empfindung stellte sich im Verlaufe der Verhandlungen heraus, wenn einer dieser Herren zu Worte fem (das war infolge der regelmässig vorzeitigen Debattenschlüssf;, die meist bald nach den Reden der „Führer" erfolgten, nicht allzu häufig der Fall). Man hörte fast durchweg aus ihren Reden mnd Vorschlägen förmlich heraus, wie ihnen, die in ihrem Leben dotrh — zum Teil von Berufs wegen — schon viel über jüdische Dinge gesprochen hatten, im Grunde höchst unverständlich war, um ^as sich hier die Jüngeren stritten. 6. Jafag.