Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 1 (22.4.1909)
- Date
- 1909-04-22
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Der jüdische Student. deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur- und Rechtsgemeinschaft mit dem deutschen Vaterlande unlöslich verbundenen Volksteil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten. Zu politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentunis, sofern sie der Tendenz von Absatz I-nicht widerstreben, nehmen die K. C.-Verbindungen keine Stellung^. (Im Deutschen Reich, No. 3/4.) Das Grillparzersche Wort: von Humanität durch Nationalität zur Bestialität — es ist in Oesterreich wieder einmal traurige Wahrheit geworden. Dass den jüdischen Studenten der Eintritt in die Wiener mensa verweigert wurde, war bereits in der letzten Monatsübersicht zu lesen: jetzt hat der dortige Akademische Verein zur Pflege kranker Studierender, der, solange er besteht, von seinen jüdischen, auch den ausländischen, Mitgliedern Gelder angenommen hat und von der Wiener Kultusgemeinde sowie mehreren anderen der Provinz subventioniert wird, unter Niederstimmung der Minorität den Antrag »angenommen, dass alle NichtÖsterreicher vierfach erhöhte Beiträge zu zahlen haben, was bei der grossen Unbcmitteltheit der ausländischen, speziell der jüdischen Studenten glattweg deren Ausschliessung von den Wohltaten des Vereins bedeutet. Die Verstecktheit der Methode ist bezeichnend: die empörenden Tatsachen aber richten sich selbst. Protektor des Vereins ist Kaiser Franz Joseph I: auch so etwas kann uns nicht so sehr überraschen. — — Einige Ungeschicklichkeiten — um nicht zu sagen: Taktlosigkeiten — der Wiener Unitas, die diese anlässlich ihres dreissigjährigen Stiftungsfestes in der Aufstellung ihres Festprogramms beging Freitag abend: Festkonvent, Sonnabend vorm.: Frühschoppen und Auffahrt), regen die konservativen Zeitungen auf. Gewiss waren diese „Versehen", rein aus taktischen Gründen, ebenso überflüssig und tadelnswert wie das ähnliche Vorgehen der ,1Kadimahl< im vorigen Jahre. „Ist das jüdisch-national?" heisst's allerorten. Das nicht, aber es ist auch nicht — und das hat mehr als bloss rhetorische Bedeutung und muss auch einmal gesagt werden — es ist auch nicht jüdisch-antinational! Man wird unwillkürlich an die oben erwähnten hässlichen Symptome einer beinahe unmenschlichen Engherzigkeit selbst den Kranken, also Wehrlosen gegenüber erinnert, wenn man von dem* Prozess erfährt, der zwei Professoren und früheren Vorstehern der Odessaer Universität „wegen Begünstigung illegaler Handlungen" gemacht wurde und mit der Verurteilung zu Dienstentlassung endete. Was hatten die armen Teufel getan?- Sie hatten geduldet, dass 1905, in dem Jahre des „permanenten Progroms" (alias: Freiheitsjahr), jüdische Studenten als Mitglieder des Selbstschutzes auch während des Universitätsbesuches Waffen trugen, und sie hatten die Aufnahme einiger Progromopfer in die Universitätsklinik veranlasst! Wie konnten sie auch! Jedenfalls hat die J. R. (No.