Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 1 (22.4.1909)
- Date
- 1909-04-22
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. Ideen der Gründer des V. J. St. ergeben, daj^üst die, deren Endziel der jüdische Staat ist. Es ist klar, dass dem neuen Programm — nur das bat sich geändert, nicht die Tendenz — neue Mittel entsprechen. In den ersten Jahren des V. J. St. tat die mächtige Propaganda der neuen grundumwälzenden Ideen not. Deshalb war dar V. J. St. zunächst litterarisch und legte den Hauptnachdruck auf Vorträge und Diskussionen. Man nins-:tc sich zuerst an einen weiteren Kreis wenden, und der V. J. St. entstand deshalb als ein loser Verein. Denn man brauchte viele Mitläufer, die die neuen Gedanken empfingen und in die OefTentlichkeit hinaustrugen. Das aausste sich ändern. Diese Gedanken sind heute selbstverständlich geworden. Ein Buch wie das Josephsche ist keine Tat mehr. Es wiederholt nur das, was wir alle längst wissen. Zlocisti brauchte skh nicht zu wundern, dass sich seinem Vortrag keine Diskussjon mek* anschloss. Diese Dinge sind heute unbestreitbar, sind indiskutabel Derartige Fragen müssen heute dort behandelt werden, wo das- Feststehende, die Fundamente, gegeben werden, im Fuxenunterrirht*). Das geistige Leben im B. J. C. ist darum nicht tot. Unsere Fragen werden heute dort diskutiert, wo über Tun und Lassem entschieden wird, auf Konventen und Kartelltagen. Der Alte-Herren-Abend hat mindestens gezeigt, dass wir über ernste Dinge ernst zu reden wissen. Von solchen Abenden — es ist nicht der erste gewesen — -wirkt jeder stärker nach, als es die dreifache Zahl von Vorträgen vermöchte. Vielleicht haben sich noch nie V. J- St.-er so viel und so intensiv mit den Problemen des Judentums tueschäftigt wie wir. Es tritt nur nicht an die OefTentlichkeit und braucht es auch nicht. Unsere Beziehungen zu einander sind.enger umd persönlicher geworden, und das, was vormals an offiziellen Abenden diskutiert wurde, erörtern wir heute besser und nachteltiger im privaten Gespräch. Die Verteidigung gegen die Vorwürfe, dkman uns machte, haben mich von meinem Thema etwas abschweifen lassen. Ich zeigte vorhin, warum der V. J. St. als loser Verein gegründet werden musste, und will jetzt zeigen, warum w uns fester organisieren, eine Korporation werden mussten. Wir brauchen, heute Erziehung und nicht mehr Diskussion, sagte ich oben. Die studentische Korporation hat sich als ein Institut entwickelt und bewährt, das unter Bedingungen, die unsern ähnliich sind, gleichen Zwecken dient: Volksführer auszubilden. Deshalb griffen wir diese Organisationsform auf. Wir haben sie aber nkht bedingungslos aeeeptiert — Gegner und Freunde Zwirns scheinen das Gegenteil manchmal zu glauben —. Durch die Erkenntnis der unlösbaren Einheit von Tendenz und Organisation kennen! wir genau die *) Soeben fällt mir der vor einiger Zeit im J. St. erschienene Bericht des zweiten Vereinssemesters in die Hände. Man vergleiche einmal, was der Fuxenunterricht früher war und was er heute ist smd noch werden soll.