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Der jüdische Student · 1909-04-22 · Heft 1 (22.4.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
6 (1909-1910)
Issue
Heft 1 (22.4.1909)
Date
1909-04-22
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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6 Der jüdische Student. Grenzen, die unserer korporativen Entwicklung gesteckt sind, wissen, wo diese Organisationsform mit der Tendenz unverträglich wird. Wir würden jeden Versuch, die Korporation um der Korporation willen auszubauen, entschieden zurückweisen. In der Tat weicht der B. J. C. oft genug von den hergebrachten Regeln ab, man denke nur an das Verhältnis der K. V. K V. zu einander, an das Präsidium und anderes mehr. Ihre Koncentration, ihre Geschlossenheit macht uns die studentische Korporation so wertvoll. Zur Führerschaft bedarf es des ganzen Menschen, nicht des Kopfes allein. Menschen aber bildet nur der Mensch; deshalb mussten wir uns menschlich nahetreten, „zusammenhängen wie die . Kletten". Zusammenschiuss ist nicht ohne Abschluss denkbar. Wollen wir den ganzen Menschen, so müssen wir ihn fremden Einflüssen entziehen, um desto stärker auf ihn einzuwirken. .Ich glaube, wir dürfen es; denn das, was wir geben, ist besser als das, was wir nehmen. Nicht das Beobachten bestimmter Formen ist das Wesentliche der Korporation. Disziplin ist ja nicht Drill. Sie sind erst der Ausfluss dieser Organisationsform. Je enger eine Gesellschaft geschlossen ist, um so mehr muss sich der einzelne ihr unterordnen, um so peinlicher ihre Gesetze beobachten. Das muss er freiwillig, nicht gezwungen tun. Der B. J. C. ist heute auch gar nicht für die Mittelmässigen da; die Besten sind für ihn gerade gut genug. Deshalb braucht man über die vielen Austritte nicht zu jammern. Die Anforderungen, die wir stellen, sind sehr gestiegen, und nur wer ihnen noch genügen kann, den können wir brauchen. Wer bei uns bleibt, der muss Opfer bringen können. Weil wir selbst dazu bereit sind, dürfen wir sie auch von anderen verlangen. Man wird heute nicht mehr aus dem B. J. C. dimittiert, weil man silberne Löffei gestohlen hat, sondern ich möchte fast sagen, weil man sie nicht gestohlen hat, als es not tat. Deshalb dürfen unsere Alten Herren nicht mehr aus dem Grunde Alte Herren sein und bleiben, weil sie einmal aktiv waren, sondern weil sie jetzt, jetzt erst recht, aktiv sind. Wir wissen sehr wohl, dass die Alten Herren durch den Beruf und andere Pflichten gebunden sind, aber wir wissen ebenso genau, dass viele Alte Herren gai nicht den Wunsch haben, im jüdischen Leben tätig zu sein, ihre Würde nur als Andenken an eine fröhlich verbrachte Studentenzeit behandeln. Diese Alten Herren werden wir mit allen Mitteln bekämpfen. Es Hesse sich noch viel und Besseres über diese Dinge sagen. Unsere Alten Herren aber sollten eins erkennen: dass jetzt die Keime, die sie gepflanzt haben, aufgehen, und sollten nicht kleiner sein als ihre Ideen. Zwirns Pläne sind weder weitfremd noch heroisch; mit ihnen hat er eine Generation herangezogen, die wieder jung und kampfesfroh ist. A. H. Hantke glaubte, im V. J. St. dieselbe Stagnation zu finden wie in der jung-jüdischen Bewegung. Die Entwicklung berechtigt im Gegenteil zu der Hoff-

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