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Der jüdische Student · 1909-01-22 · Heft 10 (22.1.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 10 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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216 Der jüdische Student. unsere Brüder wehrlos dieser Bande ausgeliefert wurden. Aber damit nicht genug. Nachdem die Deutschen mit einem höhnischen „morgen auf Wiedersehena die Rampe geräumt hatten, durchzogen sie truppweise, immer 10 -20, die angrenzenden Strassen und überfielen einzelne jüdische Passanten, so wurde ein Advokaturkonzipient, der zufällig die Maria-Theresienstr. passierte, umringt und geschlagen. Ein Mitglied der „Ivria" wurde umzingelt, an Armen und Beinen gepackt und erhielt einen Stockhieb von rückwärts auf den Kopf, dass er bewusstlos, blutüberströmt zusammenstürzte. Einer der deutschen Helden hatte das Messer gezogen, da sahen sich Passanten, Arier, veranlasst, einzugreifen. Die beiden Hauptangreifer wurden verhafret, der eine, Mitglied der Burschenschaft Rabenstein, dem Landesgericht, der zweite dem Bezirksgerichte eingeliefert. Montag nachmittags fand eine Obmännerkonferenz statt, welche beschloss, die Rampe der Universität zu besetzen, um einer Besetzung durch die Deutschen zuvorzukommen und sich, wenn die Aula geöffnet würde, in dieselbe zu begeben. Das wurde ausgeführt, die Rampe um 6 h früh Dienstags von 300 jüdischnationalen besetzt. Da die Tore der Universität jedoch geschlossen blieben, waren wir gezwungen, auf der Rampe zu verbleiben. Allen Nichtjuden wurde der Zugang mit dem Bedeuten, dass die Aula geschlossen sei, ruhig verweigert, jede Provokation vermieden. Um 8 h erschien der Kanzleidirektor mit der Aufforderung, die Rampe zu räumen, widrigenfalls er uns durch Bespritzen mit Wasser dem Spotte der Oeffentlichkeit preisgeben würde. Daraufhin brach ein Sturm der Entrüstung los, der ihn zwang, die Rampe zu verlassen. Um 10 h begab sich eine Deputation, bestehend aus den Senioren der vier Couleurs Ivria, Kadimah, Makkabaea und Unitas, zum Rektor, um in einem Memorandum gegen die Vorfälle vom Montag und das Vorgehen des Kanzleidirektors zu protestieren. Der Rektor versprach, in einem Anschlag das Vorgehen der Deutschnationalen zu missbilligen und den direkten Verkehr zwischen ihm und den Jüdischnationalen mit Uebergehung des Kanzleidirektors zuzulassen. Dagegen versprachen wir, die Rampe zu räumen, und setzten die Modalitäten des Abzugs fest. Es wurde uns noch bedeutet, eine Weile zu warten, bis die Polizei, die nur sehr schwach erschienen war, ihre Vorkehrungen getroffen habe, um nach unserem Abzüge die Zugänge zur Rampe zu besetzen (eine von uns gestellte Bedingung, damit den Deutschen die Möglichkeit, sich nach unserem Abzüge an unsere Stelle zu setzen, genommen werde). Inzwischen hatte sich unten eine Anzahl von Deutschnationalen versammelt. Als unser Senior den Sockel der Rampe betrat, um das Ergebnis der Besprechung mitzuteilen, konnte er sich in dem

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