Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 10 (22.1.1909)
- Date
- 1909-01-22
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 21T Geheul der Deutschnationalen kaum mehr Gehör verschaffen und wurde während seiner Rede mit Schnebällen beworfen. Wir rangierten uns hierauf in Viererreihen, um nach Absingung des Zionsliedes abzuziehen. Der Kanzleidirektor gab unserem an der Spitze befindlichen Erstchargierten das Zeichen, dass alles bereit sei, als plötzlich um die Ecke ein geschlossener Keil von mehr als 1000 Deutschnationalen, die sich ungehindert, während man mit uns verhandelte, in den Gängen der Universität versammelt hatten, hervorbrach, das Spalier der Wache im ersten Ansturm überrannte und sich auf unsere schon im Abziehen begriffenen Reihen stürzte. Es kam zu einem Stockgefechte, dessen Erbitterung und Wut sich nicht schildern lässt. Die Verwundeten mussten bewusstlos aus dem Gewühl getragen werden.. Zwei deutsche Korpsstudenten, die einen ohnmächtigen Jüdischnationalen vor dem Zertretenwerden retten wollten, wurden von ihren eigenen (Jonnationalen geprügelt; von der Strasse wurden Stinkbomben geschleudert, sogar ein Revolverschuss, den die Polizei mit aller Macht totgeschwiegen hat, weil sie nicht dazu gebracht werden konnte, den Revolverhelden festzunehmen, ist gegen uns gefallen. Vor der Uebermacht mussten wir, da unsere Stöcke und Schädel nicht standhielten, Schritt um Schritt zurück. Es entstand ein fürchterliches, geradezu lebensgefährliches Gedränge. Plötzlich ein dumpfer Krach — das Geländer der Rampe stürzte in die Tiefe und mit ihm die Hälfte unserer Leute. Die übrigen konnten sich nicht halten, wurden auf die Strasse gedrängt, wo endlich die Wache, die den tatenlosen Zuschauer gespielt hatte, gegen uns einschritt und uns zerstreute. Jetzt fielen die Deutschen über bewusstlos am Boden liegende Juden mit Stockhieben her, so dassdie Polizei mit gezogenem Säbel die Verwundeten schützen musste. Von unseren Leuten, die zufällig in den ersten Reihen standen, ist keiner ohne Verwundung davongekommen, ebenso von den anderen Couleurs Ein Trost nur, dass die ersten Reihen der Deutschnationalen fast noch ärger zugerichtet waren, als die unseren. Nur befolgten sie die kluge Taktik, die Verwundeten zurückzuziehen, was bei uns wegen des Druckes von beiden Seiten nicht möglich war. Und der Erfolg? Der Rektor erklärt in seinem Manifest, dass die organisierte deutsche Studentenschaft an den Vorgängen nicht beteiligt war. Den jüdischen Verbindungen in Wien ist folgende Sympathiekundgebung übersandt worden: