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Der jüdische Student · 1909-01-22 · Heft 10 (22.1.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 10 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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Der jüdische Student. 2l'> es kam zu einer Reiberei, welcher die Wache mit gezogenem Säbel ein Ende bereitete. Montag, den 9. war die Aula schon umvlO h morgens von Deutschnationalen, die mit schweren, eisenbeschlagenen Stöcken bewaffnet waren, gefüllt. Uns Jüdischnationale traf diese Massregel vollkommen unvorbereitet. Es befanden sich gegen 10 Juden in der Aula, die dieselbe, um keine Gelegenheit zu einem Zusammenstosse zu geben, sofort verliessen. Ebens ) wurde allen erreichbaren Leuten mitgeteilt, die Aula für heute zu meiden. So wurde es ca. II1/* h. Indessen hatte sich doch eine kleine Anzahl von Juden, welchen die Parole nicht mitgeteilt werden konnte, in der Aula eingefunden. Um die oben erwähnte Zeit nun nahmen die Deutschen ohne jede Veranlassung plötzlich eine aggressive Haltung an. Es ertönte der Ruf: „Juden hinaus!", und schon waren die Juden, ungefähr 12 an der Zahl, ohne eine Gegenwehr leisten zu können, aus der Aula hinausgedrängt. Die Menge der Deutschnationalen, ca. 2000, strömte nach und besetzte die Kampe, während sich auf der Strasse nach und nach eine Anzahl von 30—40 Jüdischnationalen ansammelte. Die Wache zog auf und nahm zwischen den beiden Parteien Aufstellung. Nun ereignete sich eine Reihe von Vorfällen, die allen Juden die verurteilt waren, in ohnmächtiger Wut den stummen Zuschauer zu machen, in so unauslöschlicher Erinnerung bleiben werden, dass wohl keiner es über sich bringen wird, einen dieser rohen Jünglinge auch nur mit dem Fusse zu stossen. Von Zeit zu Zeit nahm man oben am Eingange der Aula ein Zusammendrängen und Stöckeschwingen wahr, das sich wie eine verlaufende Welle über die ganze Rampe hinunter bis auf die Strasse fortpflanzte, wo dann aus der Menge dieser deutschen Helden ein armer Teufel herausgestossen wurde, ohne Hut, blutüberströmt, mit zerfetzten Kleidern. Die Herren leisteten sich den Spass, einzelne judische Hörer oder solche, die einen minder arischen Typus aufwiesen (auch Italiener wurden geprügelt) über die Rampe Spiessruten laufen zu lassen. Ja, sie Hessen sich sogar so weit fortreissen, sich an jüdischen Studentinnen zu vergreifen. Dieses Spiessrutenliufen wiederholte sich im Laufe einer Stunde in Abständen von 5—10 Minuten. Der Kanzleidirektor der Universität, A. H. einer deutschen Verbindung, erklärte unserem Erstchargierten, der einen Protest gegen die Laxheit der akademischen Behörden einlegte, die Rampe sei kein akademischer Boden, die Polizei, zur Intervention angefordert, erklärte das Gegenteil. Inzwischen wurden die armen jüdischen Studenten, die ahnungslos die Vorlesungen verliessen, wie das liebe Vieh in der Aula und auf der Rampe abgefangen und halbtot geschlagen. Wir standen unten machtlos, von der Wrache gehalten, mit geballten Fäusten, Tränen der Wut in den Augen und mussten zusehen, wie vor uns

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