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Der jüdische Student · 1909-01-22 · Heft 10 (22.1.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 10 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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211 anthropologischen Bestimmung unserer Rasse begeben, Das eine steht fest, dass sie ihre Art, solange überhaupt eine historische Ueberlieferung besteht, unverändert beibehalten hat und dass sie von den Völkern als eine fremdartige empfunden wird. So wenig einheitlich der jüdische Typus auch sein mag, so leicht kann er andererseits erkannt werden und den Mass der Masse erregen, die sich gegen alles auflehnt, was anders ist, als sie. Ks spielen sicherlich viele Momente -■- nicht zum wenigsten wirtschaftliche im Antisemitismus mit, doch darf mau nicht vergessen, dass schon der Umstand, anders zu sein, für eine Minorität isolierend und Abneigung erregend w irkt. Und auf diesen liass antwortet-nun die jüdische Rasse mit einem einzigartigen Nationalstolz. - Freude an der eigenen Art, bewundernde Ueberschätzung ihrer Leistungen findet man bei allen kraftvollen Völkern, aber bei den Juden nehmen diese {Eigenschaften Dimensionen an, die nicht mehr überschritten werden können. Sie sind das ,,Volk der Völker", ,,erwählt von Gott", begnadet, seine Lehren als die einzigen von ihm zu empfangen. Ohne Waffen, ohne Heimat, arm und verfolgt, dünken sie sich doch unendlich erhüben über ihre Hasser, sie, die Lieblinge Gottes, der Mittelpunkt und Endzweck der ganzen Geschichte. In der Bjtouung, in der der Gettho-Jude das Wort ,,Geim" ausspricht, liegt weniger Feindschaft und Rache als Verachtung, unsägliche Verachtung. Dasselbe nationale Bewusstsein äussert sich auch in der modernen theologischen Theorie, dass Israel die Mission" empfangen habe, den wahren Gottesglauben zu erhalten und ihn als Lehrmeister allen Völkern der Erde zu übermitteln, sow ie auch in dem fröhlichen Glauben mancher Juden an die alles überragende Begabung und Leistungsfähigkeit ihrer Rasse. Für diese der Vermischung mit der Umgebung sicherlich nicht förderliche Selbsteinschätzung sind manche berechtigten Gründe anzuführen. Die Ausbildung des Monotheismus, die Schaffung der Bibel ist eine grosszügige und historisch äusserst bedeutungsvolle Leistung. Ferner lebten und leben die Juden zum Teil in einer Umgebung, der sie wirklich mit ihrer zwar einseitigen und verknöcherten Oetthokultur wesentlich übet legen waren. Von Bedeutung ist hier aber auch der Umstand, dass manche Eigenschaften der Juden sehr leicht an die Oberfläche treten und so eine scheinbare Ueberlegenheit bedingen: rasche Auirassungs- und Anpassungsfähigkeit, geschickte und temperamentvolle Meisterung des Wortes, glänzender Esprit, eine Reihe von äusserst schätzenswerten Eigenschaften, deren Vorzug aber gegenüber den künstlerischen, philosophischen und naturwissenschaftlichen Leistungen .der Griechen oder der Germanen z. B. doch nicht ohne Weiteres feststeht Ohne auf Einzelheiten wie die Selbstisolierjmg durch die Speisegesetze und das strenge Verbot der Mischehen näher einzugehen, haben war die verschiedenen Umstände hervorgehoben, die es dem jüdischen Volke auch nach Verlust der staatlichen Selbständigkeit

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