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Der jüdische Student · 1909-01-22 · Heft 10 (22.1.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 10 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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208 Der jüdische Student. Widerstandsfähigkeit gegen überlegene fremde Einflüsse bedingen.« Zunächst schon aus rein technischen Gründen. Um nur eins zu nennen: gegen die furchtbaren Waffen der Europäer — Pülver und Branntwein — konnten und können die primitiven Rassen nichts ausrichten. Andererseits ist nichts mehr geeignet, die Widerstandsfähigkeit einer Nation zu steigern, als der Besitz einer Jahrhunderte bestehenden hohen Kultur. Das Bewusstsein, für unersetzliche Güter, für das Erbe der Väter zu kämpfen, muss alle Kräfte der in ihrem Bestand bedrohten Nation wachrufen. Deshalb ist es auch ausgeschlossen, dass China und Japan ein ähnliches Schicksal erleiden, als die Ureinwohner Amerikas, Afrikas und Australiens. Sie haben den Gütern, mit denen sie Europa beglücken will, einen uralten Schatz von geistigen und sittlichen Werten entgegenzusetzen, für dessen Erhaltung und Verteidigung sie ihren letzten Blutstropfen opfern würden. Die Erfahrungen Russlands im jüngsten Kriege lehren das. In der Ausbreitung des Hellenismus, des Christentumes, des Buddhismus haben wir grosszügige Beispiele des unwiderstehlichen Siegeszuges der überlegenen Kultur, während die Eroberungszüge eines Dschingis-Khan spurlos an Europa vorübergingen. Das Schicksal der germanischen Volksstämme, die als siegreiche Eroberer sich der Kultur der Unterlegenen assimilierten, wurde schon in anderem Zusammenhange erwähnt. Aber wenn man auch alle historisch greifbaren Bedingungen für eine grössere oder geringere nationale Selbstbehauptung - Zahl, physische Stärke, Rassenverschiedenheit, Kulturzustand abzieht, in der Tiefe bleibt ein Faktor übrig, den man ebenso wenig näher erklären kann, wie etwa den Grundcharakter eines Menschen. Geitau so wie es kraftvolle und schwächliche, sclbstbewusste und schmiegsame Naturen gibt, finden wir bei einem Volk unbeugsame nationale Energie, unaufhaltsames Vordringen über seine Grenzen, bei anderen indolentes Hindämmern, Widerstandslosigkeit gegen fremde Einflüsse. Die Assyrer, die Meder, die Perser, die Römer erscheinen als kraftvolle Erobererstämme, die sich und ihrer Kultur den ganzen Erdkreis unterwarfen. In der modernen Zeit haben die Engländer ihr Erbe übernommen. Ihre Sprache ist fast zur Weltsprache geworden, ihre Kolonien und Tochterstaaten bedecken einen grossen Teil der bewohnten Erde, und es scheint nicht, als ob ihre Expansionsfähigkeit schon den Höhepunkt überschritten habe. Und wie der Staat schliesslich nichts weiter ist als die Summe seiner Bürger, so zeigt auch jeder Engländer einen ausgesprochenen nationalen Stolz. Er fühlt sich als Sprössling der heirschenden Rasse. An sein brittisches Bewusstsein treten die assimilierenden Einflüsse fremder Kulturen nicht heran. Wie leicht vergessen dagegen die Deutschen im Ausland selbst ihre Muttersprache, wie gering ist ihr kultureller Einfluss in Nordamerika? Und wie sah es gar in

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