Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 10 (22.1.1909)
- Date
- 1909-01-22
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 207 •ner Stamm viel leichter aufgesaugt werden kann, als ein zahlreicher. Wie der grosse Strom die schmalen Zuflüsse mit sich fortreisst und ganz mit sich vereinigt, so verschlingt eine gewaltige Volkmasse kleine fremde Bestandteile, ohne dass sie Spuren zurücklassen. Die geringe Zahl der Hugenotten konnte einfach ihre französische Kultur nicht lange konservieren, konnte das Prinzip, unter sich zu heiraten, für die Dauer nicht aufrecht erhalten. Und um ein anderes Beispiel zu nennen: in den Ländern, in denen es wenig Juden gibt, werden ihrer Assimilation keine Schwierigkeiten bereitet, und wären die versprengten Partikeln nicht wie mit unsichtbaren kommunicierenden Röhren mit den grossen jüdischen Volkszentren verbunden, so existierten sie längst nicht mehr. Auf der anderen Seite verursacht in der Polenfrage der Umstand, dass es sich um eine bedeutende Masse von Menschen handelt, die noch zudem auf einem Territorium zusammenwohnen und den Rückhalt an ihren russischen und österreichischen Brüdern haben, mit am meisten die Unverdauiichkeit des polnischen Bissens für den preussischen Magen. Von grosser Wichtigkeit ist ferner die Art der Rassenverwandtschaft. Je näher zwei Ras.sen sich körperlich stehen, um so leichter wird auch die Annäherung und Blutmischung stattfinden. Trotz aller politischen Zerrissenheit fühlten sich die deutschen Stämme auch schon vor Gründung des neuen Reiches stets als ein zusammengehörendes Ganzes und die gemeinsame Kultur verband sie über alle Landesgrenzen hinweg. Andererseits gibt es selbst für den brutalsten und unwiderstehlichsten aller Instinkte, den Geschlechtstrieb, Hemmnisse, die nicht oder nur ausnahmsweise überschritten werden. So haben die „weisse" und ,,gelbe" Rasse keine Vereinigungstendenzen. Selbst Nord - Amerika, das doch ein Sammelbecken für Völkerztisammeriflüsse bildet, hat keine nennenswerte Verschmelzung zwischen Chinesen und Amerikanern herbeigeführt. Gelbe Frauen werden wohl in Bordellen benutzt, man hört aber wenig davon, dass eine Bürgerin der Vereinigten Staaten einen „Sahn des Ostens" heiratet und dass es Mischlinge beider Völker gibt. Nicht anders verhalten sich die Europäer im Grossen und Ganzen gegenüber den Negern. Wohl ist es infolge von zwingenden äusseren Verhältnissen, nämlich dem Mangel an weissen Frauen, häufig zur Vereinigung von Indogermanen mit Schwarzen gekommen, doch wird man angesichts der Mulatten nicht gerade von einer Staaten- und volkstumbildenden Assimilation sprechen können, und die elementaren Ausbrüche der Volksieidenschaft in den Vereinigten Staaten gegen Neger, die es nach einer weissen Frau gelüstet, zeigen, welche unüberbrückbaren Gegensätze die Rassenverschiedenheit innerhalb des Genus „homo sapiens" setzt. Nicht unterschätzen darf man in der Frage der Assimilierbarkeit den Einfluss, den der 'Kulttirzustand des betreffenden Volkes ausübt. Naturgemäss wird eine niedrigstehende Kultur eine geringere