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Der jüdische Student · 1909-01-22 · Heft 10 (22.1.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 10 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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206 Der jüdische Student. dient haben als die Bibelverleger. In einer Beziehung wirkt die kriegerische Eroberung begünstigend auf den Assimilationsvorgang ein, indem sie durch das grausame Hinschlachten der Gegner dafür sorgt, dass die langsame Arbeit der Verschmelzung kein zu grosses Material mehr vorfindet. Nicht selten kommt es auch vor, dass ein ganzer Stamm ausgerottet wird. Viele Beispiele dieses Vorgehens, das in primitiven Zeiten ganz gebräuchlich war, zeigt die Bibel. „Sie schlugen alle Einwohner, die darin, mit der Schärfe des Schwertes und bannten sie. Nichts Leben Atmendes blieb übrig." (Josua 11.) Besonders deutlich lässt sich ein in grossem Massstab geführter Ausrottungskampf bei der Besiedelung Amerikas beobachten: die Indianer, die dort früher die ganze „neue Welt" bewohnten, sind bis auf geringe Reste vernichtet. Nur in Südamerika ist es zu Mischungen gekommen. Eine so radikale Aufsaugung gehört immerhin zu den Ausnahmen. Die Eroberungen eines Cyrus, Alexander, der römischen Cäsaren lassen im Wesentlichen die Besiegten am Leben. Und der Prozess der Assimilation geht nun langsam vor sich. Der Imperator setzt eine Militär- und Beamtenherrschaft ein, die Reichssprache wird als offizielle eingeführt. Strassen werden gebaut, der Handel beginnt seine Fäden zu knüpfen, und allmählich breitet sich die Kultur aus. Zu einer völligen Assimilation kann es freilich nur durch Blutmischung kommen. Diese ist die notwendige Voraussetzung für die Verschmelzung zweier Rassen. Nicht immer zwar können wir den Prozess mit solcher Genauigkeit verfolgen wie. bei den römischen Provinzen, in denen Mischehen zwischen den römischen Soldaten und Beamten und den Ureinwohnerinnen alltäglich waren. Eine eigenartige Umkehr der Verhältnisse finden wir zuweilen darin, dass nicht der Eroberer seine Kultur siegreich mit sich führt, sondern dass er im Gegenteil in der vorgefundenen Kultur verschwindet. Von den zahlreichen germanischen Volksstämmen, die im Verlaufe der Völkerwanderung in Italien einbrachen und das Reich zertrümmerten, sind keine selbständigen Reste mehr erhalten. Selbst einer niedrigen Entwicklungsstufe angehörend, nahmen sie bald Sprache, Sitten und Religion der Unterworfenen an, um allmählich ganz darin unterzugehen. —> —- So sehen wir die Assimilation überall im Werden und Schwinden der Völker eine entscheidende Rolle spielen. Im Einzelnen ist der Vorgang, dessen Schemata wir vorhin kennen lernten, von der grössten Verschiedenartigkeit; die Neigung zur Verschmelzung, die notwendige Zeitdauer, die Stärke und Art des nationalen Widerstandes variiert ausserordentlich. Welches sind nun die Faktoren, die die leichtere oder schwerere Assimilationsfähigkeit der Völker bewirken? Zunächst sind da Zahlenverhältnisse von der grössten Bedeutung. Es wurde schon vorher erwähnt, dass naturgemäss ein klei-

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