Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 9 (16.12.1908)
- Date
- 1908-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3537599-3537654-3537661--1030-3539184- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
174 Der jüdische Student. Birnbaum behandelt wird (was übrigens für die Unparteilichkeit des Herausgebers zeugt). Dieser Artikel* „Die literarische und sprachliche Entwickelung der Ostjuden" spricht selbstverständlich für den Zionisten Block; hier muss sich Lerchenthal von dem besten Kenner der Verhältnisse sagen lassen, dass der sogenannte Jargon gar kein „Jargon" ist, dass also auch die kräftig erblühende Literatur der russischen Jugen keine „Jargonkultur" ist, wie sie Lerchenthal so abfällig bezeichnet hat. Doch der Artikel des Zionisten Block greift schon erheblich über den dem K. C. eigenen Qedankeninhalt heraus; er enthält als Kernpunkt schliesslich das ,was uns vom K. C, obwohl auch wir den Antisemitismus bekämpfen, trennt; nämlich der Glaube, dass mit dem Schwinden des Antisemitismus in Deutschland die Judenfrage gelöst sei, d. ,h. dass wir V. J. St.er unser Interesse nicht nur den deutschen Juden zuwenden, dass für uns die gesamte Judenheit fest zusammen gehört* dass wir eine Lösung der ganzen Judenfrage suchen. Weit trennt uns vom K. C. auch die Ansicht über die Ausbreitung unserer Wirksamkeit; im Vorwort des Jahrbuches steht der Satz :—---wir lassen das Jahrbuch erscheinen, weil ..auch innerhalb des Verbandes keine Stimme hat Bedenken laut werden lassen, das rein Studentische im K- C. könne durch den Versuch des Durchdringens weiterer Kreise mit dem Oedankengang der jüdischen Studentenverbindung Schaden leiden". Wir sind im Gegenteil der Ansicht, dass es unsere Aufgabe ist, unsere Gedanken möglichst weit in die jüdische Oeffentlichkeit zu tragen; das ist überhaupt unser Endzweck; ihn zu erreichen, dazu dient alles: Erziehung und Disziplin. Das Studentische ist uns nur Mittel zum Zweck, und beim K. C. ist leicht die Gefahr vorhanden, dass das Studentische Endzweck wird. Ich empfehlen den Bundesbrüdern dringend, das Jahrbuch zu lesen; sie sollen sich klar werden, was der K. C. bedeutet' und von seinen Mitgliedern verlangt. Die Einrichtung von Diskussionsklubs für junge Kaufleute durch den V. J. St. Als ich die J. St.'s meines dreisemestrigen Vereinslebens durchging, um mich zu vergewissern, ob mein Gegenstand in ihnen schon früher eine Behandlung gefunden hätte, wurde ich zuerst förmlich niedrgedrückt durch die Fülle der schönen Reformvorschläge, die mit eindringlicher Stimme erhoben, mit hastigem Kopfnicken aufgenommen und dann mit Achselzucken abgetan worden sind. Und dennoch wage ich es noch, mit einem neuen Vorschlage zu kommen; denn einerseits glaube ich, durch eben diese J. St.-Lektüre — nächst dem Ueberschlag meiner Vereinserfahrungen — gelernt zu haben, was für unseren Vereinsbetrieb durchführbare Forderungen sind, andererseits bin ich mir bewusst, keine müssige Frage aufzurollen.