Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 9 (16.12.1908)
- Date
- 1908-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. seines Wertes den Versuch machen, mit Nichtjuden gesellschaftlich zusammen zu kommen". Dieser Widerspruche liegt nicht in meiner Darstellung, sondern in der Qrätzcrs; wie sollen wir in die Gesellschaft kommen, wo wir doch boykottiert sind? So boykottiert, dass sich des Verfassers Bundesbrüder eben zum K. C. zusammen geschlossen haben. Und ferner: Unsere Emanzipation steht nach Orätzer nur deshalb auf dem Papier, weil die massgebenden Stellen" sie nicht wollen; also sollten wir, wenn es möglich wäre, doch diese überzeugen. Davor warnt uns Orätzer wieder im Abschnitt 15 seiner Betrachtung; dann gibt er uns wieder den Rat, dort Fuss zu fassen, wo ,,wirklich der. gute Ton, die gute Erziehung und das vornehme Fühlen zu Hause sind", erklärt aber an anderer Stelle, dass selbst diese Kreise uns aus Rücksicht auf den Adel boykottieren müssen, wo nicht, Kaufleute oder Künstler sind, die ihrerseits keinen Einfluss haben. Widersprüche über Widersprüche und zweckloses Bemühen. Nun kommen die etwas positiveni und ganz positiven K. C.-er. „Geschichtsunterricht und jüdische Schüler" (Alfred Goldschmidt) stellt fest, dass man auf der Schule zu wenig jüdische Geschichte hört, weswegen Verfasser ein Buch geschrieben hat „auf dem Wege der Freiheit zur Gleichheit und Brüderlichkeit — eine jüdisch-historische Betrachtung", dessen bedeutungsloses Vorwort er im K- C-Jahrbuch abdruckt und dessen Lektüre und Studium er seinen Bundesbrüdern empfiehlt. Im Vorwort des Buches verlangt der Herausgeber, wenn auch ganz schüchtern, eine „Vergeistigung des K. C.-gedankens"; „es genüge nicht, dass einzelne (!) K. C.-er die Summe der Ideen, die sein geistiger Gehalt sind, in sich aufnehmen, sondern dass jeder Verbandsbruder für seinen Teil mitwirke, dass nicht nur der Gebrauch der Waffe geübt sei, sondern auch der Tribut an Gedankenarbeit gezollt wird." So bescheiden sind wir V. J. St.-er nun nicht Wir müssen von jedem die intensivste Beschäftigung mit jüdischen Fragen verlangen, und mit der Zeit darauf hinwirken, dass nur solche Leute V. J. St.er sind, die unserem Verlangen entsprechen; wenn wir im Programm vom „wissenschaftlichen Rüstzeug" reden, so ist damit allerdings der Mund zu voll genommen, denn zur wissenschaftlichen Tätigkeit fürs Judentum gehört ein ganzes Studium. Der positivste K. C.er ist Hans Block.; er hatte in einem Artikel „Adel", der im vorstehenden K. C.-Jahrbuch erschienen war, als K. C.er (in zionistischem Sinne) ausgeführt, dass der Kampf gegen den Antisemitismus nicht genüge; dieser könne leicht die einzelnen verbittern; es müsse eine positiv-jüdische Gesinnung erweckt werden: Stolz auf die Leistungen des Judentums. Er hatte dabei auf die Ostjuden hingewiesen und von ihrer erwachenden jüdischen Kultur gesprochen. Darauf hatte der schon erwähnte Lerchenthal in seinem ebenfalls erwähnten Artikel geantwortet und erhält auch gleich die Antwort von Block, der seine Ansichten nochmals auseinandersetzt. Das Ulkige an diesem Streit ist übrigens, dass die Frage, um die es sich hauptsächlich dreht, in einem Artikel von Dr. Nathan