Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 9 (16.12.1908)
- Date
- 1908-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Der jüdische Student. 165 Also aus drei Gründen fordere ich im Fuxenunterrichte eine angemessene Berücksichtigung der jüdischen Religionsentwickelung: 1. Soll der V. J. St.-er dazu erzogen werden, soweit es sein religiöser Standpunkt ihm erlaubt, auch im jüdischen Gemeindeleben die ihm gebührende Stellung mit gutem Gewissen zu erstreben und ihr völlig gewachsen zu sein. 2. Wird der V. J. St.-er durch eine derartige Grundlage erst fähig, auch dem ideellen Teile der üolusgeschichte Interesse abzugewinnen und für ihn Verständnis zu beweisen. 3. Erfordert der national-jüdische Renaissancegedanke eingehende Bekanntschaft mit dem der jüdischen Rasse eigentümlichen Kulturkreis. Jüdisch-studentischo Monatsübersicht. i. Y. von Referendar Hans Meseritz-(Berlin). Der alte Mass zwischen der deutschen — id est: antisemitischen — und jüdischen Studentenschaft in Wien hat sich dieser Tage in Kämpfen auf offe ner Strasse entladen. Mit Knüppeln, Steinen, Stinkbomben — solche Waffen sind nach dem antisemitischen Ritterkomment erlaubt, — rückte der akademische Pöbel den jüdischen Studenten, die er auf der Universitätsrampe belagerte, in zehnfacher Uebermacht zu Leibe, nachdem er bereits vorher in Haufen, vereinzelte jüdische Studenten und Studentinnen, die aus dem Colleg kamen, überfallen und geprügelt hatte, [n dem darauf folgenden Handgemenge b.iicht das Rampengeländer und ein Teil der jüdischen Studenten stürzt aur die Strasse. Die am Hoden Liegenden und grossen Teils schon Verwundeten werden vom Pöbel mit Stöcken schwer misshandelt. Unter nationalen Liedern und begeisterten Reden behauptet die deutsche Studentenschaft den auf diese Weise der deutschen Kultur geretteten Universitäts-Kampfplatz Der akademische Senat verhängt zur Beruhigung der Gemüter und zur Wahrung der Gerechtigkeit das Farben verbot über die beteiligte jüdische Verbindung „Kadimah". Die jüdisch-nationale Studentenschaft hat darauf folgendes Memorandum dem Rektor der Wiener Universität überreicht: Die jüdisch-nationale Studentenschaft protestiert auf das entschiedenste gegen das Vorgehen der deutsch-nationalen Studenten während der letzten Tage. In brutalster Weise wurden einige Jüdischnationale abgefangen und, wenn sie auf die Frage, ob sie Juden seien, mutig ihre Nationalität einbekannten, misshandelt Den Anlass für dieses pöbelhafte Betragen der Blüte der deutschen Kulturträger bot ein alter, tiefer Gegensatz, der seit der Zeit des sogenannten „Waidhofener Beschlusses *