Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1909)
- Date
- 1909-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537654-3537664--1129-3539150- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der jüdische Student. 269 durch den Uebertritt gar keine weiteren Rechte als die, die sie früher bereits hatten, und der Senat hat auch am 15. Febr. eine dahingehende gesetzliche Entscheidung getroffen. — Wenn man einer Zahlenaufstellung glauben darf, die das Bayer. Vtld. (No. 45) über die Frequenzverhältnisse der Hochschulen in Belgien mitteilte, so dürfte auch dort die Ausländerfrage (d. i„ da es unter den nicht einheimischen Studenten ,,eine unverhältnismässig grosse Anzahl jüdisch-deutscher Namen gibt", wieder die 'Judenfrage!) sehr aktuell sein. Da übrigens die Zahlen dem Journal de Bruxelles entnommen sind, werden sie einige Wahrscheinlichkeit haben. Darnach hat die „Lütt icher Staatsuniversität unter ihren rund 2400 Studenten nicht weniger als 830 Russen, die fast sämtlich dem Studium der Chemin, der Physik oder der Medizin obliegen. Die Genfer Staatsuniversität zählt über 1€€ russische Studenten, die Brüsseler „freie Universität" an 200, und die studentische Jugend der „Sozialistischen Neuen Universität" in Brüssel besteht fast ausschliesslich aus Russen und Russinnen. Die Ausländer stehen in engen Beziehungen untereinander und haben wenige Vereine. Zum erstenmal kann ich an dieser Stelle eine — und gleich eine hocherfreuliche — Mitteilung aus England bringen. Die folgende Notiz entstammt der „Welt" (vom 15. I.) : Vor einiger Zeit berichteten wir über die Gründung jüdischer Studentenvereine an den Universitäten Oxford und Cambridge. Das Erfreuliche an diesen Gründungen ist, dass sie spontan ohne Zutun von aussen seitens nationaigesinnter Studenten erfolgten, die auf diese Weise ihrer zionistischen - Ueberzeugung Ausdruck geben wollten. Ihr Beispiel hat bereits Nachahmung gefunden. An der Universität in L e e d s hat sich ein jüdisch-nationaler Verein gebildet, und auch die Studenten der Universität Manchester haben sich soeben zu einem zionistischen Vereine zusammengefunden. Es besteht die Möglichkeit, dass sich all diese Vereine demnächst zu einem Verbände zusammenschliessen. Diese Welle des Nationalismus hat das Missfallen der „Jewish World" erweckt, die sie eine „missleitete Bewegung" nennt. Die Seiten dieser Wochenschrift sind jetzt mit Zuschriften angefüllt, in denen diese Frage für und wider erörtert wird. Indessen sind die meisten der Korrespondenten den Neugründungen freundlich gesinnt. Auch in London soll ein zionistischer Studentenverein in der Bildung begriffen sein, der beabsichtigt, die Schaffung von Propagandaliteratur in die Hand zu nehmen. Mit Recht führte (nach der „Welt", Nr. 8) ein Redner in der Londoner zionistischen Vereinigung in einem Thema: „Zionismus an den Universitäten" aus, dass die Gründung der englischen jüdischen Studentenvereine um so grössere Bedeutung habe, als sie auf Grund geistiger Erkenntnis vom Wesen des Zionismus und also auf der Ueberzeugung jüdischer Intellektueller beruhe und nicht, wie meist auf dem Kontinent, ein Ausfluss