Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1909)
- Date
- 1909-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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268 folgten in den letzten Wochen in Breslau, Leipzig und München. (M. A. v. '27. I.) Die im vorigen Heft am Schluss gebrachte Mitteilung über die Ungerechtigkeiten der mensa academica einer österreichisch en Universität — vermutlich ist es Wien — wird durch eine Zuschrift ergänzt, die die „Neue Nat.-Ztg." vom 12. II. veröffentlicht. In dem Schreiben wird Klage geführt, über die Zustände in dem infolge des Ausschlusses der jüdischen Studenten von der allgemeinen mensa diesen zum Ersatz als „jüdische mensa14 überlassenen Speisehaus „Einheit". Selbstverständlich interessiert uns hier die Schilderung der Unannehmlichkeiten dieses Restaurants weniger als eben die Tatsache, dass die Teilnehmer an der „zum grössten Teil von Judengcldern erhaltenen mensa academica" Juden verweigert werden durfte! — Das „Wohnrecht der Juden im konstitutionellen R u s s 1 a*n d " wird durch einen in der „Welt" (22. I.) veröffentlichten Bericht aus Petersburg illustriert: Zu welchen Absurditäten das „Wohnrecht" der Juden in Russland führen kann, beweisen verschiedene, neuerdings bekannt gewordene Einzelfälle: Beabsichtigten da die Studierenden der Elektrotechnik an der Kiewer technischen Hochschule, während der Weihnachtsferien unter Leitung des Prof. Artemjew die elektrotechnische Ausstellung von Moskau zu besuchen. Alle Vorbereitungen waren bereits getroffen, und die Abfahrtsstunde war bereits bestimmt, als die Moskauer Behörde die telegraphische Mitteilung machte, dass die vier-jüdischen Studenten, weil sie als Juden nicht das allgemeine Wohnrecht besitzen, selbst nur für zwTei Tage nach Moskau nicht kommen dürften. Sämtliche Teilnehmer nebst Prof. Artemjew verzichteten darauf auf die ganze Reise. Ein Analogon wird von einer von den Schülerinnen des Mins- ker Mädchengynasiums geplanten Exkursion nach Moskau erzählt, die ebenfalls unterblieb, da — das einzig Erfreuliche an der ganzen Geschichte -— auch in diesem Falle „die christlichen Mädchen mit ihren jüdischen Kolleginnen sich solidarisch erklärten". Die Wissenschaft vom jüdischen Wohnrecht in Russland ist eine der schwersten und verzwicktesten juristischen Disziplinen in Osteuropa, bemerkt dazu die „Monatsschrift der österr.-israel. Union" (I. 09). „Indes, solche Behinderungen wissenschaftlicher Exkursionen auf Grund des Judenrechtes sind selbst in der vorkonstitutionellen Zeit nur wenig vorgekommen. Um so mehr finden sie sich jetzt im konstitutionellen Russland". — Die Verweigerung oder Beschränkung der •Aufnahme jüdischer Studierender in die russischen Universitäten hat diese in letzter Zeit immer häufiger zu Uebertritten zum Islam veranlasst Das hat aber nichts genützt: „weil die Beschränkungen der Juden nicht als eine Folge ihrer Religion, sondern als Folge ihrer nationalen Eigenart zu betrachten seien", wie das Ministerium des Innern sich interessanterweise ausdrückte, so erlangen die Juden