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Der jüdische Student · 1909-03-19 · Heft 12 (19.3.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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•iö5 Parlamentsdebatte auswachsen zu wollen. Am 26, März 1908 zeterte der antisemitische Abgeordnete Lattmann im Reichstag über die „Masseninvasion'4 ausländischer Studierender, am 12. Februar d. J. wurde ein Führer der christlichen Arbeiterbewegung, der Zentrumsabgeordriete Schiffer, vorgeschickt, um bei der Beratung des Etats des Reichsamts des Innern den Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg wenn nicht gar zu einer Erschwerung des Studiums vonAusländern, so doch wenigstens — freilich vergeblich! — zu einer entscheidenden Aeusserung der Regierung zu veranlassen. Die M. A. vom 24. II. bringen den stenographischen Bericht über diesen Teil der Reichstagssitzung. Danach führt der Abgeordnete Schiffer i\m wesentlichen aus, dass infoige der unverhältnismässig hohen Zahl ausländischer Studierender an den technischen Hoch- und Fachschulen insofern eine direkte wirtschaftspolitische Gefahr bestände, als die Ausländer, denen die Geheimnisse der deutschen Erfindungen und technischen Errungenschaften schutzlos preisgegeben sind, die hier geschöpfte theoretische, praktische und technische Wissenschaft in ihrer Heimat industriell verwerten — zum Schaden des deutschen Exportes. Darum: Einschränkung der Zahl der Zuzulassenden und überhaupt Erschwerung der Zulassung. Der konservative Kreth äusserte sich zustimmend ebenso natürlich auch der freikonservative von Gamp, während die Freisinnigen und die Sozialdemokraten opponierten. Die M. A. sehen in den Argumenten der Hochschulschutzzollner nur teils reakti märe, teils egoistische Anschauungen. Wie muss es in dem Kopf eines antiantisemitischen Journalisten aussehen, der nicht einmal Verständnis für die wirtschaftliche Berechtigung eines exklusiven nationalen Egoismus hat! Man muss nur einmal stundenlang in den Räumen der Münchener technischen Hochschule z. B. geweilt und die ganze Zeit vergebens auf e i n deutsches Wort gelauscht haben, um die Stimmung der Interpellanten zu begreifen (nebenbei bemerkt auch die schon einige Jahre zurückliegende Verfügung der Direktion des Polytechnikums, dass eine bestimmte Anzahl von Plätzen für Inländer reserviert bleiben muss). Ue'brigens ist natürlich die ganze Zulassungsfrage Sache der Einzelstaaten! —. Einen kleinen Beitrag zur Statistik der Ausländer bringen die „Burschensch. Bl." vom Jan. 09, wonach von den an deutschen Hochschulen studierenden. 1367 polnischen Studierenden 78 (d. h. fast 67°) Juden sind. Dieselbe Nummer enthält auch einen von den deutschen Studenten „mehr historische Bildung41 fordernden Artikel, der die Hauptschuld an den antinationalen Strömungen der Gegenwart den Juden zuweist. Wörtlich heisst es dort: „Im Herzen dieses weitausgespannten GeWebes (nämlich des modernen Radikalismus) lauert die Spinne jüdischen Geistes". Derartige Erwägungen und Stimmungen mögen dann auch immer wieder_wie ist es davon hier nicht schon gesprochen worden! _ die Behörden zu besonderen Gunsterzeigungpn gegen die streng nationalen Vereine, speziell gegen den V. D. St., veranlassen. Die M. A. vom 27. I. berichten: . . .

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