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Der jüdische Student · 1909-03-19 · Heft 12 (19.3.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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266 Der jüdische Student. Der antisemitische Verein Deutscher Studenten in Berlin erfreut sich auch der Protektion des neuen Universitätsrektors, des Professors Kahl. Dieser lässt sogar die Anschläge des Vereins an die amtlichen Bretter anheften;, was keinem anderen Verein gestattet wird. Er besucht auch seine Feste. So nahm er auch an einem sogenannten Reichskommers des V. D. St. teil, der alljährlich abgehalten wird, und an dem stets alldeutsche und antisemitische Politiker das Wort führen. Zu dem Bierfest hatte der V. D. St. eine mächtige Reklame entfaltet. Sogar auswärtige Zeitungen wurden mit Freikarten bestürmt. Dieselbe Nummer der M. A. referiert auch über einen in der Tat recht konfusen und inkonsequenten Aufsatz eines V. D. St.-ers, mit dem sich freilich der V. D. St. nicht in allen Punkten identifizieren wird: In den „Zeitfragen", einer Beilage der „Deutschen Tageszeitung44, beschäftigt sich ein Angehöriger des Vereins Deutscher Studenten mit dem Thema „Akademische Freiheit"; Die Tatsache berührt sonderbar, denn vom V. D, St. ging ja gerade der Kampf gegen die akademische Freiheit, gegen das Selbstbestimmungsrecht der einzelnen Korporationen — damals der konfessionellen —> aus. Ausserdem wird ja auch im V. D. St. eine straffe Zucht geübt, die jede Individualität möglichst in Fesseln schlägt und die mit akademischer „Freiheit'*' sicherlich nichts zu tun hat. — Der Verfasser des Artikels erklärt sich dafür, dass sich der Student mit praktischer Politik nicht befassen dürfe. Sein Verein aber tut es, indem er für die reaktionären Parteien Wahlschleppdienste leistet, zu den Zirkus- Busch-Versammlungen der agrarischen Bündler Chargierte entsendet, sich von antisemitischen Abgeordneten Vorträge halten lässt usw. Das nennt der Verfasser aber natürlich keine praktische Politik, da es sich um die „nationale" Sache handelt. Sonst soll dem Studenten jede politische Betätigung verboten sein, handelt es sich aber um „nationale", d. h. alldeutsche, antisemitische, reaktionäre Parteien, dann ist jede Agitations- und Wahlhilfe erlaubt — Aus dem ganzen Kolorit dieser Zeilen leuchtet deutlich hervor, dass-der akademische Berichterstatter der M. A. ebenfalls an sich gegen die politische Betätigung der Studenten ist. Auch früher einmal hat er, irre ich mich nicht, den Studenten mehr die Beschäftigung mit den Wissenschaften als mit der Politik ans Herz gelegt. In dem Augenblick aber, wo ein Alter Herr des Kösener S. C. (in den Akad. Monatsheften) den Korps abrät, sich mit Pa|rteipolitik abzugeben, die man neidlos Russen und Italienern und anderen akademischen Vertretern minorum gentium ü/berlasslen solle, da hat er für diesen Standpunkt nur die herablassende Verspottung: „nur keine geistigen Anstrengungen!" — Die journalistische Tendenz dieses Berichterstatters ist klar: immer das Gegenteil von dem, was die Antisemiten sagen, ob es nun logisch ist oder nicht. —i —

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