Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 11 (24.2.1909)
- Date
- 1909-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Der jüdische Student. V. zur Wissenschaft") von Gründern der F. W. Y.; nämlich von den bis zum Wintersemester 1881/82 aktiv gewesenen Justizräten Schubert und Berg, behandelt worden sind, vor allem aber, dass als zusammenfassende Darlegung der F. W. V.er Tendenz an leitender Stelle die Gründungsrede („Unsere Ziele*) abgedruckt ist, die Spangenberg, scheinbar die prominente Persönlichkeit unter den Gründern, am 4. Juli 1881 gehalten hat. Diese Aufsätze lassen es durchaus glaubhaft erscheinen, dass ehrlich strebende Menschen von untadeliger Gesinnung die F. W. V. gegründet haben: als Grund ton klingen aus ihnen gesunder Bildungsdrang, wahrer Freisinn, ungekünstelte Vaterlandsliebe, und nur ein allzu bilderreiches Pathos und eine fast übermenschliche Allseitigkeit der Interessen lassen in ihren Verfassern die Xltvordern der heutigen F. W. V.er ahnen. Demgegenüber kennzeichnet (wenn wir zwei belanglose Artikel von F. W. V.ern aus der Generation zu Beginn der 90 er Jahre übergehen) insbesondere ein Aufsatz eines jetzt aktiven F. W. V.-ers (,,Der F. W. V.-er Gedanke" von stud. jur. Erwin Loewenson) Art und Niveau der F. W. V. unserer Tage, Dass an seiner Spitze als Motto ein Citat aus Nietzsche prangt, ist ja selbstverständlich. Ebenso wenig kann es verwunderlich erscheinen, dass dieser F. W. V.er Gedanke sich nicht anders als in einer Anzahl — auch äusserlich durch Nummern und Sternchen getrennter — Aphorismen ausdrücken lässt. Ueber den Inhalt des Aufsatzes sei im allgemeinen nur gesagt, dass darin ein Yerein von der Art der F. W. V. als Zufluchtsstätte vor Einsiedlertum und Esoterismus, als Wall gegen die besonders durch „die unerhörte kulturelle Zerfahrenheit unseres Zeitalters" hervorgerufene Skepsis hingestellt wird. Bezeichnend sind etwa Sätze wie: ,,Die schmerzhafte Albernheit der Mitmenschen ist die einzige Entschuldigung für den Einsiedlerstandpunkt. Die kulturelle Situation in der Stadt Berlin aber ist heut eine solche, dass auch diese Entschuldigung fortfällt" oder: „Jeder von uns hat einen anderen »F. W. V.er Gedankenc<. Dass aber jeder einen anderen hat, das ist ,,d e r F. W. V.er Gedanke". Während Spangenberg noch für eine „instruktive Diskussion" eingetreten ist, sagt der Verfasser dieses Aufsatzes: ,,Nur Leute von geistigem Stillstand fragen nach einer wissenschaftlichen Diskussion: Sind wir zu einem Resultat gekommen?" — Die ganze innere Unwahrhaftigkeit dieses F. W. V.-ertums tritt naturgemäss am deutlichsten in der Behandlung zu Tage, die die Judenfrage in dem Taschenbuch erfährt. Dass ein im Jahre 1905 gehaltener Vortrag über den Zionismus im Verzeichnis der Vorträge unter der Rubrik ,,Philosophie, Theologie" aufgeführt ist, mag noch hingehen . . . Der Stellung der F. W. V. zur Judenfrage sind allerdings 15 volle Seiten gewidmet, aber dieser Raum wird von einer Rede eingenommen, die im Jahre 1882 — wiederum von Spangenberg — in der F. W. V. gehalten worden ist.