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Der jüdische Student · 1909-02-24 · Heft 11 (24.2.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 11 (24.2.1909)
Date
1909-02-24
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Der jüdische Student. 239 halten; die Rabbiner Bondr-Mainz und Lerner-Altona stellen dies sogar als ihre eigenen Forderungen auf — man denke! - Ich glaube, man kann nicht ohne Empfindung tiefer Scham diesen Dingen zusehen. Nie und nimmer dürfen wir uns auf den Standpunkt stellen: die ganze Resolution ist wertlos und nichtssagend — mehr noch als jene vom Jahre 1897. Im Gegenteil!- Gerade hier, wo es sich nicht um Gewinnen oder Verlieren handelt, muss gezeigt werden, dass wir für diese Art brüderlichen Interesses das gebührende Verständnis haben: dass es Widerwillen und Abcheu in uns erweckt. Wir müssen begreifen, dass derselbe, engherzige und kaufmännische Geist in so verschiedengearteten Juden wie Maybaum, dem Vertreter des fadesten Liberalismus, und Hoffmann, dem Leiter, des orthodoxen Rabbiner-Seminars in Berlin, diese Erklärungen zu Wege gebracht hat. Warum durften die Herren im Jahre 1897 annehmen oder hoffen,- dass man „allen ihren Abmahnungen" folgen werde, warum glauben die Marburger Rabbiner nicht, dass man ihre Resolution mit einem Stillschweigen der Verachtung bestrafen wird — nun, weil sie nicht mehr wissen, dass ein gewöhnlicher Mensch bei derartigen Zumutungen erröten muss. Weil sie bei der Gegenseite stets ein Bedürfnis nach Verständigung wittern und ihr imputieren, sie glaubte an ihre eigenen Wahrheiten nicht. Wie ein Geschäft! Angebot und Gegengebot. Wie oft ist schon über diesen Geist unter uns Juden geklagt worden; war es nicht gerade der Zionismus, der sich von ihm wegwandte und uns wieder natürlicher werden Hess? Fast scheint mir, dass die Politik der Zweckmässigkeit, die unter allen Juden verklärend wirkt, sich auch in den Kreisen breit macht, die bisher davon frei waren. Der unendlich grossen Fähigkeit der Juden unserer Zeit, die „Forderungen des Tages14 zu begreifen, verdanken wir derartige Perversitäten wie jene beiden Resolutionem. Ihre Kunst beruht lediglich darauf, aus einigen verkümmerten Gefühlen, aus Geld und Anpassung an herrschende Strömungen für eine grössere oder ganz kleine Gruppe eine Ueberzeugung zusammenzuzimmern, mit der unbeirrt operiert wird. Der Hilfsverein verzapft Palästina-Arbeit unter der Spitzmarke: aber Zionismus ist das nicht. Das liberale Judentum: wahres Judentum mit Deutschtum und echter Religionsessenz. Zangwill neuerdings hat ein nagelneues Rezept erfunden: ihm scheint, dass die guten Juden nicht lange genug gestritten haben, ob Nation oder Religion „das Primäre" und damit der Segen sei — darum macht er es uns leichter — in Itoland wächst beides und dazu neu und frisch; so wird man ein Zarathrustra unter den Zionisten. Doch das sind noch nicht alle Weisen und grosszügigen Politiker unter uns Juden. Die Neuen, die Zionisten, die mit der „Stosskraft ihrer Idee4' wirken sollen, sind auch klug geworden. Der letzte Kongress, den' man den praktischen genannt hat, schuf die Synthese aus politischem und praktischem Zionismus, Ichglaubte

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