Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 11 (24.2.1909)
- Date
- 1909-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Der jüdische Student. kunstadt vorgeschlagene Resolution: Die Vereinigung traditionell gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands erklärt, dass das Programm des Misrachi in vollem Einklang steht mit den Lehren und Vorschriften des überlieferten Judentums. Der Rabbiner Qoitein begründet seine obige Resolution folgendermassen: nur über diese Frage hätten die Rabbiner als Gesetzeslehrer objektiv zu entscheiden, nicht aber darüber, ob die Bestrebungen des Misrachi auch gefördert werden müssen, denn das hänge von dem subjektiven Ermessen des Einzelnen ab, ob er in dem Zusammengehen mit Antireligiösen eine Gefahr erblicke odei nicht und ob er überhaupt die Beteiligung an einer politischen Bewegung für erspriesslich halte. Diese letzten Worte des Rabbiners gefallen mir darum, weil sie einiges Verständnis dafür zeigen, wie Leute von verschiedenen Anschauungen sich zu einander zu stellen haben. Als ich die Resolution der Marburger Rabbiner las, war mir das einzige Bemerkenswerte und Unangenehme eben der Mangel an diesem Verständnis, die Indiskretion. Was sagt die Resolution der Rabbiner nach vielstündigen Debatten über den Zionismus, was spricht aus der Bemerkung der Jüdischen Presse: 'eine Gutheissung des nichtmis räch istischen Zionismus wurde von keinem Redner beantragt? Nichts weiter als: der Zionismus, wie er war, ist und wohl sein wird, gefällt uns nicht, daher wollen wir mit ihm nichts zu tun haben. Doch da ist etwas, was uns nicht übel scheint: der Misrachi. Wenn ihr dem dies und das zubilligt, werden wir ihn vielleicht unterstützen. Dagegen hätte die Annahme der Goitein'schen Resolution bedeutet: die Autoritäten der Frommen erklären, dass jeder Fromme Zionist sein darf! Das hätte zur Folge gehabt, dass so mancher Fromme in die Reihen der Zionisten eingetreten wäre; es wäre ,,der Friede in Israel gefördert worden", wie Goitein sagt. Die angenommene Resolution vermeidet diesen Frieden, vermeidet die Sanktionierung des Misrachi, versetzt der ,,imposanten Bewegung4' einen -— ihrer Meinung nach — geschickten Hieb und — will ein Geschäft machen. Ein Geschäft für einen etwas yorwitzigen Bruder, der sich unvorteilhaft associert hat. Die Orthodoxie übernimmt hier eine Art Anwaltschaft für die Orthodoxen unter den Zionisten, eine Anwaltschaft ganz merkwürdiger Natur. Sie, die Nichtzionisten, stellen für ihre zionistischen- Gesinnungsgenossen Forderungen an die zionistische Organisation, sie verlangen programmatische Aenderungen. Man könnte zur Entschuldigung anführen, dass jene Herren trotz aller Reden den Zionismus nicht verstanden haben. Aber damit kann dieser Schildbürgerstreich nicht aus der Welt geschafft werden. Zumal Methode im Vorgehen der Orthodoxie zu liegen scheint.. Denn der Correferent, Rabbiner Cohn-Ansbach, spricht immerhin schon von der Hoffnung des Misrachi, eine eigene Föderation und Stimme im A. C. zu er-