Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 11 (24.2.1909)
- Date
- 1909-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 233 Sehr richtig, Herr Isaac! Man sieht, die F. W. Y. führt das grosse Wort, und in der Tat, ihr Erfolg ist gross: sie hat, trotz der Konkurrenz der F. V. P., deren Stimmenzahl um 12 gestiegen ist, sofort 171 Anhänger gefunden. -— Ueberaus bedauerlich und unerfreulich ist der Rückgang der V. J. K. um 82 Stimmen! Wenn früher einmal unsere Beteiligung an den Wahlen zur A. L. FL, die ja materiell ziemlich irrelevant ist, als ein vorzügliches Mittel zu einer Heerschau galt über die jüdischen Studenten, die unserer Sache nahestehen, so kann man nur wünschen, dass das letzte Wahlergebnis keine symptomatische Bedeutung hat, sondern dass der Misserfolg lediglich einer ungenügenden propagandistischen Agitation zuzuschreiben ist. Darum aber sollten doch die ernstlich zur Verantwortung gezogen werden, die unser Renomme so unangenehm in Misskredit gebracht haben. Freie Studentenschaft etc. „Die Fr. Studd., die viele jüdische Mitglieder zählen, zeigten auch im vergangenen Semester eine gedeihliche Fortentwicklung. Die Berliner Fr. St., die durch soziale Einrichtungen verschiedenster Art segensreich gewirkt hat, verfiel leider der Auflösung, weil sie sich eines formellen Verstosses schuldig gemacht hatte. Zur Zeit bestehen in Deutschland und in der Schweiz 31 freistudentische Organisationen. Neu begründet wurde eine Freistudentenschaft in Giessen. Der Akademische Freibund, der ähnlich organisiert ist, wie die Freien Studentenschaften, hat nun bereits an mehreren Hochschulen Organisationen gegründet. Während die Freien Studentenschaften als solche parteipolitisch neutral sind, obwohl die grosse Mehrzahl ihrer Mitglieder freiheitlich gesinnt ist, tritt der Akademische Freibund offen für die liberale Weltanschauung ein. Besonders in Berlin hat er bereits eine rührige Tätigkeit entfaltet." Ueber die Beschwerlichkeiten in der Laufbahn der j ü d i s c h e n Referendare (die schon, wie die M. A. vom 2U. I. mitteilen', im Anfang der 80er Jahre durch ein aufreizendes Flugblatt der klerikalen ,,Schlesischen Volksztg/' - der jüdische Referendar mit antisemitischem Dreck besudelt wurden) liegen wieder anlässlich des ,,Beuthener Juristenbailes" einige Notizen vor. Man erinnert sich noch des hübschen Poems vom 25jährigen Stiftungsfest des Vereins christlicher Referendare in Breslau (1906) mit der licentia poetica: koschere Justiz, orientalische List, Glänze der Nasenlänge usw. Dass aber, wie im „Dissident44, dem Beiblatt der Frankfurter Halbmonatsschrift ,,Das freie Wort", erzählt wird, jüdischen Referendaren von der sächsischen Justizverwaltung seit jeher das weitere Fortkommen in der Richterlaufbahn dadurch versperrt wird, dass man ihnen widerrechtlich jegliche Vergütung; vorenthält, das ist denn doch-wohl sogar für uns, die wir doch schliesslich mancherlei Erfahrung haben, ein Novum von himmelschreiender Gemeinheit. ■—■ Dass es übrigens