Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 11 (24.2.1909)
- Date
- 1909-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537654-3537663--1092-3539078- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
234 Der jüdische Student. nicht immer so schlimm stand, davon bringen die M. A. vom 20. Januar eine hübsche Geschichte. In München ist ein neuer ,Jüdisch-akademischer Verein Makkabaea" gegründet werden auf völlig zionistischer Grundlage. Er bezweckt (§ l) „die Vereinigung aller Studierenden, die die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina als die einzige Lösung der modernen Judenfrage ansehen. . . Der Verein ist bestrebt, die Interessen der jüdischen Studentenschaft nach aussen hin zu vertreten. . . . (§ 3). Der Verein M. soll zusammenarbeiten mit den anderen jüdischen Vereinen und Verbindungen an den Münchener Hochschulen, die dieselben Ziele anstreben und sich dieselben Aufgaben stellen. Er erstrebt die Bildung eines gemeinsamen Ausschusses derselben." — Auch in Leipzig ist ein ,,Verein Zionistischer Studenten" ins Leben getreten (Welt Nr. 5). In B o n n ist ein jüdisch-wissenschaftlicher Verein gegründet worden. Im B. J. A. seil, wie ich privat erfahre, nach einem Beschluss des Verbandstages Fuchsenunterricht gegeben werden. Ich bitte nur, in No. 7/8 des J. St. die Seiten 134 f. nachzulesen: danach ist zu ermessen, wTes Geistes Kind der Unterricht sein wird. Aus Heft 11 des 4. Jahrganges der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden'1 sei noch mitgeteilt, dass an der Akademie zu Posen die Juden unter 913 Hörern 169 — 18,4 pCt. aller Hörer stellen, während sie 1905 nur 5,21 pCt. der Einwohner bildeten. — Merkwürdigerweise ist der Prag er Exzesse, soweit ich sehe, im J. St. noch nicht Erwähnung getan worden. Ich setze daher zunächts — die Tatsachen der tschechisch-deutschen Scharmützel sind ja aus den Tageszeitungen als genügend bekannt vorauszusetzen und noch frisch in Erinnerung —* aus der Akad. Rdsch. der M. A. vom 23. Dezember v. J. hierher einen Bericht über die Rückwirkung der Prager Geschehnisse auf die reichsdeutsche, speziell Berliner Studentenschaft: Die bedauerlichen Vorgänge an der Prag er Universität, der ältesten deutschen Hochschule, wo der Rassenh a s s noch unlängst wilde Orgien feierte, haben in der ganzen deutschen Studentenschaft berechtigte Erregung hervorgerufen. Die wahnwitzigen Angriffe des tschechischen Pöbels gegen alles, was deutsch spricht und deutsch denkt, veranlasste die deutschen Studenten im Reiche, in Scharen ihren hart bedrängten Kommiiitonen durch geschlossenes Auftreten in der böhmischen Hauptstadt zu Hilfe zu kommen. Getreulich stand der jüdische Student neben dem christlichen im Interesse des Deutschtums. Auch die Berliner Freie Wissenschaftliche Vereinigung, die sowohl Christen wie Juden zu Mitgliedern zählt, hatte frühzeitig einen ihrer Führer, cand. jur. Löwenthal, nach der Stätte des Streites gesandt. Löwenthal wurde selbst vom Pöbel insultiert und entging nur mühsam Schlimmerem,