Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 11 (24.2.1909)
- Date
- 1909-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Der jüdische Student. 2S1 ihre Gegner unnational zu nennen. Sie hat vielleicht eingesehen, dass sie nicht die geringste Berechtigung hat, sich als die. einzige nationale Partei zu bezeichnen.'4 Die Vereinigung Jüdischer Korporationen wies den Vorwurf des Chauvinismus zurück mit der Erklärung: ,,Es ist unwahr, dass die Vereinigung Jüdischer Korporationen ein jüdischnationales Programm vertritt. Eine derartige Behauptung bildet im Munde der Kenner studentischer Verhältnisse eine bewusste Unwahrheit. Seit jeher hat die Jüdisch-: Partei im Wahlkampf zum Direktorium der A. L. H. ein reines Abwehrprogramm vertreten. Und seitdem sich sämtliche in jüdischen Fragen inj scharfem Gegensatz - stehenden Berliner Jüdischen Korporationen zu einer gemeinsamen Partei vereinigt haben, ist der Charakter dieser Partei durch den Zusammenschluss so scharf und deutlich bestimmt, dass er nur noch absichtlich verkannt werden kann Die Vereinigung Jüdischer Korporationen kämpft gegen den Antisemitismus in der Berliner Studentenschaft. Dies und nichts anderes ist ihre Absicht/' Der Vereinigung Jüdischer Korporationen gehören die Verbindung im K. C. Sprevia, der Verein Jüdischer Studenten, der V. J. St. Maccabaea, die zionistische Verbindung Hasmonaea und die Freie Vereinigung Dahlemia an. Von der Freien Wissenschaftlichen Vereinigung wurde darüber Klage geführt, dass die Vereinigung Jüdischer Korporationen ihre Hauptfront bei den Wahlen gegen sie gerichtet habe, obwohl sie doch die antisemitische Tendenz in der Studentenschaft zum mindesten mit derselben Schärfe bekämpft, wie die Vereinigung Jüdischer Korporationen. Die Wahlen fanden bei sehr schwacher Beteiligung statt. Es wurden im ganzen nur 1373 Stimmen abgegeben. Die Antisemiten erhielten 612 Stimmen, die anderen Parteien insgesamt 761, und zwar die katholischen Korporationen 215 (gegen 189 im Vorjahr), die Freie Verwaltungspartei 226 (214), die Freie Wissenschaftliche Vereinigung 171 und die Vereinigung Jüdischer Korporationen 149 (231). Der Rückgang der Stimmen der Vereinigung Jüdischex Korporationen ist wohl durch die Wiederbeteiligung der F. W. V. zu erklären. Andererseits bleibt er immerhin auffällig, da ja das Erbe der F. W. V. seinerzeit nur zum geringen Teile der Vg. J. K. zufiel, sondern vielmehr von der Freien Verwaltungspartei angetreten wurde. — Wann werden sich endlich alle nichtantisemitischen Elemente zusammenschliessen, um den Uebermut des antisemitischen Klüngels zu brechen? Was 1906 möglich war, könnte mit Leichtigkeit dauernd erzielt werden.44 Diese Ansicht des akademischen Korrespondenten der M. A. gefielen der F. W. V. nicht; sie beehrte die Redaktion mit folgender Zuschrift (3. Febr.):