Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 11 (24.2.1909)
- Date
- 1909-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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230 Der jüdische Student. liner Universität überhaupt keine Finken schalt mehr gibt! Sie ist unter dem Rektorat des Philosophen Prof. Stumpf der Auflösung verfallen. Wo kommt jetzt auf einmal diese nationale Finkenschaft*' her? Wenn verbotene studentische Körperschaften im Geheimen weiterbestehen, so verfallen ihre Mitglieder schweren Disziplinarstrafen. Entweder es besteht eine solche „nationale Fmkenschaff' oder sie besteht nicht. Besteht sie, dann müssen die Mitglieder nach den Universitätsgesetzen behandelt werden. Besteht sie nicht, dann hat der V. J. St. in unverantwortlicher Weise ein Parteiwort benutzt, um den unerfahrenen niehtinkorporierten Studenten Sand in die Augen zu streuen. Legts zum anderen; es würde nur ein neuer Beleg für seine verwerfliche Agitationsweise sein. Die „Nationalen41 schlugen bei den diesjährigen Wahlen eine neue Taktik ein. Sie vermieden es, irgendwie den antisemitischen Pferdefuss zum Vorschein zu bringen, Sie leugneten sogar chauvinistisch-antisemitische Tendenzen. Mit Recht nagelte die „Freie Vcrw altungspartei" diese Politik der Bauernfängerei fest, indem sie schrieb: „Die „nationale" Partei stellt es in Abrede, chauvinistischantisemitische Tendenzen zu verfolgen. Wir bleiben bei dieser Behauptung. Zum Beweis nur das Folgende: Noch in den Jahren 1905 und 1906 finden wir in den Flugblättern dieser Partei: „Kampf gegen Judentum und AusländereF, „ewig uns fremde Passe'1, „reinliche Scheidung", „hie nationales Deutschtum -- - hie internationales Judentum". Ist das antisemitischer Chauvinismus oder nicht? Heute ist man weniger deutlieh. Das diesjährige Flugblatt spricht' nur davon, „gesunde inticnale Oesinnung", „deutschnationale Oesinnung im Interesse der Lesehalle zu vertreten*1. Was das im Munde des V. D. St. bedeutet, das überlassen wir getrost der Entscheidung der Kommilitonen F" - pecht unangenehm machte sich der alte Zw ist zwischen der „Freien Wissenschaftlichen Vereinigung1' und der „Vereinigung jüdischer Korporationen ' bemerkbar, zum unverkennbaren Behagen der Antisemiten. Die „F r e i e \Y i s s e n s c h a f 11 i c h e V c r e i n i g u n gkt hatte erklärt: „Wir wenden uns gegen alle, die die Oegensätze in der Studentenschaft'verschärfen wollen. Wir wenden uns entschieden sowohl gegen die „nationalen" wie gegen die jüdischen Chauvinisten. Wir kämpfen gegen jegliche Unduldsamkeit. — Oerade*" die jüdischen Kommilitonen sollten uns dankbar sein, denn wir sind es gewesen, die die Oleichberechtigung der jüdischen Kommilitonen vor gefährlichen Angriffen geschützt haben. Wir haben den Zustand herbeigeführt, dass an der Universität Berlin sich heute alle gleich heimisch fühlen können. Die nationale" Partei hat ihre Taktik geändert. Sie wagt es nicht mehr, alle