Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 5-6 (17.9.1908)
- Date
- 1908-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 121 unglückliche Juden — wenigstens in Deutschland — doch sind, dass wir die Bitterkeit sozialen Missgeschicks so selten zu kosten haben. Wieder erscheint neben den Schatten Herzls der Lassalles, der letztere den ersten überragend, das, was der Mann im Leben gewollt, mir grösser und bedeutsamer. — Erst als ich wieder im Bannkreise Wiens bin, schwinden die Schattenbilder. Otto Aufrecht, Strassburg (X). Für die jüdische Wissenschaft in Palästina. Von einem Kollegen (Theol.), der sieh seit Monaten in Palästina und Aegypten aufhält, erhalte ich dieser Tage einen längeren Brief, indem er mir über die wissenschaftlichen Bestrebungen des Bezalel berichtet und gleichzeitig an die Mitarbeit der V. J. St.-er appelliert. Da mir die Gelegenheit, die sich uns hier einmal bietet; der geistigen Synthese in uns jüdischen Akademikern — Judentum und Wissenschaft — einen praktisch bedeutungsvollen Ausdruck zu geben, wertvoll genug erscheint», will ich (He Bundesbrüder ganz kurz mit der Angelegenheit vertraut machen.*) In Jerusalem ist im neuen Bezalelgebäude ein Landesmuseum auf modernster Grundlage im Entstehen begriffen. Die kräftigen Anfänge sollen durchaus vielversprechend sein. Was dieses Museum an Erzeugnissen modernen Kunstgewerbes enthalten soll, geht uns zunächst hier nichts an; ich möchte die Aufmerksamkeit nur auf das wissenschaftliche Interesse lenken, das die Vergangenheit Palästinas zu beanspruchen hat. „Das heilige Land ist an Altertümern aller Xvt noch sehr reich, da so gut wie nichts ausgegraben wurde. Die Fellachen stossen bei ihren Feldarbeiten jeden Augenblick auf Altertümer, die dann in den Städten zum Verkauf angeboten werden .... Diese Altertümer, seien sie kanaanäische, phönizische, jüdische oder die der anderen Völker, die im Lande sassen, nach Möglichkeit aufzukaufen und so zu zentraleren", ist also in der Tat eine verlockende Aufgabe, bei der „es sich nicht nur um eine rein palästinensische und jüdische, sondern auch um eine eminent international-wissenschaftliche Sache handelt. Die Sammlungen können und sollen den Grundstock für eine dereinst zu errichtende jüdische Universität sein". So wird einer Zersplitterung der Altertümer, die ja von so vielen Gesichtspunkten aus unselig wäre, am besten vor, ebeugt. Dass eine derartige Sammlung in möglichster Vollständigkeit auch ein ausgezeichnetes Lehrmaterial für jüdische Kunststudien und -arbeiten darstellt, sieht jeder ein, der einmal über Wesen, Entstehung und Aufgaben der Kunst und des Kunstgewerbes nachgedacht hat. Nun hat bereits ein Herr Prof. Schatz mit den ihm zu Gebote *) Vgl auch den Aufsatz „Im Bezalel" von Dr. Ernst Müller, Jaffa, in der „Jüdischen Zeitung" vom 2-i. 7. 1008.