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Der jüdische Student · 1908-09-17 · Heft 5-6 (17.9.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 5-6 (17.9.1908)
Date
1908-09-17
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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Der jüdische Student 119 einmal Grosses vollführen können. Und ähnlich steht es m't dem Teil der Kulturwerke, die neueren Ursprungs sind. Auch sie sind einzeln sehr wertvoll, aber eine einheitliche Kultur bilden sie nicht. Und bei ihnen, die doch grossen Teils erst von der nationaljüdischen Bewegung hervorgerufen sind, steht noch mehr fest, dass sie ihre höchste Vollendung erst mit der Vollendung dieser Bewegung erreichen werden,*) Die Grundlage für Kulturtätigkeit eines Volkes ist, dass wirtschaftliche und moralische Zustände ihm diese nicht unmöglich machen. Wenn der Zionismus hier Abhülfe schafft, so ist er auch da berechtigt, obwohl er hier auf den Judenhass zurückgeht. Und da ist auch etwas, was Mathias Acher zu verkennen scheint. Für die Juden des Ostens ist der Zionismus gar nicht in erster Linie eine Kulturfrage; für sie kommt zuerst die Beseitigung ihrer Notlage in Betracht. Diese Stimmung klingt so und so oft aus den Worten des ostjüdischen Delegierten auf den Kongressen. Um nur ein Beispiel zu bringen. Auf dem zweiten Kongres^ sagte der russische Delegierte Bujes: „Die Massen unseres Volkes kann man mit abstrakten Grundsätzen nicht abspeisen, die möchten gern etwas Konkretes, etwas Praktisches sehen1'. Es ist im allgemeinen zuerst der Hunger, der den Menschen quält, und erst wenn er befriedigt ist, wird die geistige Not die fühlbarste. Daher kommen in gewissem Sinne, wenn man die Entfremdung von der Nationalität etwas vernachlässigt, auch die Westjuden eigentlich tür Achers Jdeen mehr in Betracht. Sie sind ja schon in etwas besserer Lage, und sie fühlen daher, wenn sie überhaupt Juden sein wollen, auch den Schmerz mehr, welcher Mathias Acher als der einzige erscheint, den die jüdische Bewegung speziell zu heilen hat. (Schluss folgt.) Ein Gang zum Grabe Theodor Herzig. Nach einem fröhlich in München verlebten Semester war ich auf der Heimreise. In Regensburg genoss ich V. J. St.-er Gastfreundschaft und besuchte von da Ludwig I. Riesendenkmal, die Walhalla. Nicht die Marmorköpfe deutscher Geisteshelden imponierten mir, an denen ich in Strohschuhen vorbeirutschen musste, aber mein Herz ging auf beim Anblick der deutschen Landschaft, die sich zu meinen Füssen ausbreitete. — Und dann ging es nach Wien. Zu kurzem Besuche weilte ich in einem der Landhäuser Döblings, die in zierlicher Pracht den Leopold- und Kahlenberg umsäumen, und ein freundlicher Zufall Hess es mich erfahren, dass *) Vielleicht steht Mathias Acher bei dieser zu hohen Einschätzung des Ostjudentums auch unter dem Einfluss seiner sozialistischen Neigungen. Er räumt der proletarischen Masse der Ostjuden gegenüber den wohlhabenden Westjuden den Vorzug ein.

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