Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 5-6 (17.9.1908)
- Date
- 1908-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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per jüdische Student. 117 versucht und sogar gezeigt haben, dass jüdisches Eigenleben auch in der Diaspora gedeihen kann. Einen konkreten Ausdruck gibt Mathias Acher später seiner Idee, indem er eine Organisation fordert, deren Aufgabe die Pflege und die Neuschaffung jüdischkultureller Werte ist, die daneben durch eine geschickte Auswanderungs- und Verteilungspolitik die allgemeine Entwicklung fördert, aber keine „Reglementierung der politischen Gesinnung" verlangt, sondern die Juden sich höchstens im Anschluss an die bestehenden politischen Parteien gruppieren lässt. Als eine der Aufgaben dieser Organisation bezeichnet er auch Palästina-Arbeit, aber Palästina ist ihm nicht Bedingung für das Bestehen des ganzen Judentums, sondern nur auch eins von den verschiedenen Mitteln, die dazu dienen, die jüdische Kultur neu zu beleben. Wir sehen hier eine Verwandtschaft mit Dubnow, der auch im geistigen Fortbestehen der Nation das einzig Wertvolle erblickt, dagegen ebenso wie Acher auf politische Selbständigkeit u. dgl. Verzicht leistet. Eine besondere Stellung nehmen in Achers Theorien die Westjuden ein. Den Unterschied zwischen West- und Ostjuden behandelt er in mehreren Artikeln. Die Ostjuden haben ihr eigenkulturelles Gepräge behalten, für sie ist die Hauptsache, dass Möglichkeiten geschaffen werden, die ihnen gestatten, ihre Eigenart höher zu entwickeln. Diese Höherentwicklung, die mit Hülfe der modernen Höhenentwicklung herbeigeführt werden muss, fehlt zwar noch, aber die Grundlagen für sie sind da, die Grundlagen und auch schon sichere Anzeichen dafür, dass die Ostjuden auch mit ihrer Höhenentwicklung Voiljuden bleiben und zur Schaffung einer neuen, nicht stagnierenden, sondern tätigen Nationalkultur im stände sein werden. Die Westjuden dagegen sind, vom national-kulturellen Standpunkt aus betrachtet, minderwertig. Sie stehen zwar zivilisatorisch auf einer sehr hohen Stufe, haben aber ihre Eigenart fast vollkommen eingebüsst. Ein einfaches Bekenntnis zu einem politischen Parteiprogramm genügt nicht dazu, diese wieder zu gewinnen. Im westjüdischen Kulturproblem untersucht er die Möglichkeiten, die Westjuden zu einer nationalen Kultur zurückzuführen. In diesem ausgezeichneten Artikel schildert er zunächst das, was in den Westjuden noch an Jüdischem lebt und sucht dann nach den Möglichkeiten, diesen Rest so. zu verstärken, dass er schliesslich eine kulturschöpferische Kraft wird. Er findet als einzige Form, in der dies möglich ist, das Gemeinsamkeitsgefühl aller Juden, da die Landform für ihn nicht in Betracht kommt, und die Religions- und die Sprachform sich als unzureichend erweisen. Dieses Gemeinsamkeitsgefühl aber kann zu allmählicher Verstärkung der , jüdischen Note*' führen, sodass diese sich nach und nach zu eigen jüdischen Kulturwerken entwickelt, dann weiter zur Sprachgemeinsamkeit und schliesslich zur Gewinnung des eigenen Landes, die erst dann für den innersten Kern der Judenfrage Bedeutung gewinnt. Es ist jedoch zu betonen, dass er nicht auf diesem Standpunkt bleibt, von dem aus er den Westjuden die