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Der jüdische Student · 1908-09-17 · Heft 5-6 (17.9.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 5-6 (17.9.1908)
Date
1908-09-17
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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116 Der jüdische Student. hierauf, und namentlich auch auf die „Jüdische Moderne" noch bei der Besprechung seiner späteren Ansichten einzugehen sein. Damit, dass er das Kulturelement, wie ich es der Kürze halber nennen will, in den Vordergrund der Judenfrage rückt, beginnt er sich aber schon vom politischen Zionismus zu entfernen. Er findet jetzt im politischen Zionismus manches, was nicht zu diesem eigentlichen Wesen der Sache gehört und ihn infolge dessen zu abweichenden Meinungen führt. Der Judenhass und die Judennot in moralischem und wirtschaftlichem Sinne dürfen überhaupt keine grundlegende Rolle in seinem System spielen. Der politische Zionismus ist deshalb unberechtigt, weil er es als eine seiner grössten Aufgaben auffasst, die Polgen des Judenhasses zu beseitigen, deswegen auf die politische Selbständigkeit des jüdischen Volkes hinarbeitet und also seine Kraft auf Massnahmen verwendet, die mit dem Kern jüdischen Bewegung nichts zu haben. Zu diesen gehört auch das Streben nach Palästina, dessen Erlangung ihm vorläufig unmöglich erscheint. Er glaubt, dass Palästina keinesfalls in Besitz genommen werden können, bevor nicht die dadurch beseitigten, aus dem Gegensatz zwischen Juden und Andersnationalen herstammenden Missstände auch durch die allgemeine Entwicklung unerheblich gemacht würden. Hier steht er offensichtlich unter dem Einfluss seiner sozialistischen Neigungen. Der allgemeinen Weiterentwicklung zum Sozialismus überlässt er die Sorge, die Ausnahmestellung der Juden zu beseitigen. Und darin, dass der Zionismus die Juden von der Mitarbeit an dieser allgemeinen Entwicklung abzieht, liegt ein weiterer Grund gegen ihn. Diese Entwicklung haben die Juden im allgemeinen zu unterstützen, im besonderen auch dadurch, dass sie durch günstige Verteilung auf die verschiedenen Länder und Berufe selbst an der Beseitigung ihrer Ausnahmestellung mitarbeiten. Ausserdem haben sie den Kampf gegen den Antisemitismus, diese reaktionäre und entwicklungsfeindliche Strömung fortzuführen, einen Kampf, der, wie es Mathias Acher in dem Aufsatz Einige Gedanken über den Antisemitismus" ausspricht, auf die Dauer nicht ohne Erfolg bleiben wird. Der Erfolg ward auch dadurch verbürgt, dass das Golus, wie Acher meint, mit fortschreitender Entwicklung allmählich schwindet, sodass die Juden schliesslich einmal überhaupt nicht mehr wirtschaftlich oder moralisch zurückgesetzt sein werden. Das Einzige, das ihnen dann noch fehlen wird, ist ihre eigene Kultur. Die jüdische Bewegung hat sich also damit zu befassen, diese zu schaffen, darf sich aber nicht auf irgend welche andern, aus dem Golus herrührenden Nöte gründen. Diese, die nicht eigentlich zu ihrem Wesen gehören, müssen eben auf andere Weise beseitigt werden, als wesentlich gilt nur die National-Kultur. Sie aber wrerden die Juden, wenn nur die schon vorhandenen Kräfte frei gemacht werden, auch ohne eigenes Land und ohne eigenen Staat erreichen können. Zu dieser Hoffnung berechtigen besonders die Ost-Juden, die sich auf vielen Gebieten der Kultur, besonders auf dem der Sprache, erfolgreich

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