Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 5-6 (17.9.1908)
- Date
- 1908-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 115 seines Aufsatzes: „Etwas über Ost- und Westjuden"; „Nichts ist bedenklicher, nichts aber auch gleichzeitig notwendiger als Einteilungen zu machen.'4 Diese Unruhe hat aber auch dazu geführt, dass seine Ansichten nicht dieselben geblieben sind, sondern sich im Laufe der Zeit stark verändert haben. Er findet eben öfters bei einer nochmaligen Ueberprüfung seiner Ansicht Stellen, die noch nicht ganz geklärt sind, und ihre Erfassung bringt ihn dann wieder zu neuen Anschauungen. Ich muss es mir versagen, alle diese Anschauungen näher darzustellen und zu würdigen. Das umfangreiche Material hat mir nur bruchstückweise zur Verfügung gestanden, sodass mir eine lückenlose Auseinandersetzung unmöglich ist. Vielmehr kann ich die Entwicklung der Mathias Acherschen Ansichten nur oberflächlich schildern und will mich etwas eingehender nur mit dem Standpunkt befassen, den er ungefähr zuletzt einnahm. Im Jahre 1893 lässt Nathan Birnbaum eine Broschüre „Die Wiedergeburt des jüdischen Volkes in seinem Lande als Mittel zur Lösung der Judenfrage" erscheinen. Er fordert hier die „staats- und völkerrechtliche Gleichstellung" des jüdischen Volkes und erwähnt auch das kultursehaffende Element im jüdischen Nationalismus. In seiner Zeitschrift, die er unter dem veränderten Namen „Jüdische Volkszeitung" veröffentlicht, nimmt er den Standpunkt ein, das> die Judenfrage, namentlich auch in wirtschaftlicher Beziehung, endgültig nur in Palästina gelöst werden könne. Daneben begnügt er sich allerdings manchmal auch mit vorläufigen Massregeln. Ueberhaupt fehlt ihm noch der dem grossartigen Ziele entsprechende grossartige Weg, er rät zu den, teilweise allerdings schon viel enthaltenden Mitteln des damaligen Chowewe-Zionismus, Vertiefung des Nationalgefühls und Schaffung eines jüdischen Bauernstandes. Seine Stärke liegt hier wohl mehr auf negativkritischem Gebiet, er zeigt die Unhaltbarkeit der bestehenden Zustände, beleuchtet namentlich in äusserst treffender Weise die Assimilation, macht aber auch gelegentlich auf die Unzulänglichkeit mancher Versuche, die Lage zu bessern, aufmerksam. Dann erscheint im Jahre 1896 llerzls „Judenstaat". Er ver fehlt auch auf Birnbaum seine Wirkung nicht. Noch in demselben Jahre schreibt er die „Jüdische Moderne", in der er sich als An bänger der Herzischen Ideen bekennt. Am ersten Congress nimmt er aktiv teil und hält dort ein wichtiges Referat- In der „Jüdischen Moderne" zeigt er, den seine Neigung zum Sozialismus besonders berufen dazu erscheinen lässt, die Berechtigung des Zionismus namentlich gegenüber dem Sozialismus, in dem er hier hauptsächlich vom Judenhass, von der Judennot im Golus ausgeht. In seinem Referat auf dem Kongress betont er das kultursehaffende Element im Zionismus, dass er auch in der „Jüdischen Modernen'4 berührt. Die Sehnsucht nach einer jüdischen Vollkultur wird hier als die innerste Ursache der Bewegung hiugestellt. Genauer wird