Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 5-6 (17.9.1908)
- Date
- 1908-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 113 rer Seele einen würdigen Platz einnehmen können an der Seite der Helden von Troja sowohl wie der deutschen Freiheitskämpfer. Die Makkabäerkämpfe sind ja dank dem Chanuka-Feste bekannt genug, auf ihre Schilderung kann gar nicht genug Nachdruck gelegt werden. Aber Bar-Kochba und vor allem die Helden des unglücklichen jüdischen Krieges liefern uns noch weit mehr Stoff, um Begeisterung zu erwecken. Und wenden wir uns der leider so vernachlässigten biblischen Geschichte zu, so finden wir in den Kämpfen der Könige, Sauls und Davids, und besonders in den farbenprächtigen Kriegserzählungen der Richterzeit, ja bis hinauf zu den Zügen unserer Erzväter einen mannigfaltigen, an Taten und Persönlichkeiten reichen Stoff, der nicht nur, lebendig vorgetragen, den geschilderten Zweck erreicht, sondern durch sein eigenartiges Gepräge im Hörer von selbst Interesse erweckt. Natürlich wird nicht jeder beliebige Bursch oder Fuxmajor, der sich die vorzutragenden Stellen in der deutschen Bibelübersetzung oder im Graetz durchgelesen hat, durch die einfache Wiedergabe des Gelesenen einen erfolgreichen Unterricht erteilen können; In der Notlage allerdings, in der sich viele unserer Vereine in dieser Beziehung finden, müsste auch dies genügen. Aber um die Geschichte eines Volkes und besonders die Kriegsgeschichte dem Verständnis näher zu bringen, bedarf es des Studiums sowohl der allgemeinen Geschichte wie eines gründlichen Studiums der Geographie („Studium" natürlich nicht im wissenschaftlichen Sinne gemeint). Ohne eine Karte von Palästina sollte jüdische Geschichte bis zur Zerstreuungnie unterrichtet werden, und wer die biblischen Kämpfe mit den Nachbarvölkern behandelt, sollte auch mit deren allgemeiner Geschichte vertraut sein, soweit die Wissenschaft heute überhaupt darüber Aufschluss zu geben vermag. Schliesslich möchte ich. noch auf ein Gebiet hinweisen, dessen Studium auch in den Geschichtsunterricht unserer deutschen Schulen immer mehr Eingang findet, das ist das Gebiet der Quellenkunde. Dem erwachsenen Menschen liegt ja die Frage weit näher, als dem Schüler: Woher kennen wir alle diese Begebnisse aus vergangenen Zeiten? Und es dürfte da nicht schwer sein, hie und da auf die Bibel, auf ihre Quellen, auf die ältesten Bearbeitungen der jüdischen Geschichte und auch auf das interessante Gebiet der Inschriften wenigstens einen Hinweis zu geben. All dies sind x^rbeiten, für die wir vor allem, wo die Möglichkeit dazu gegeben ist, unsere jungen Theologen heranziehen müssen. Sie haben die meiste Zeit hierfür, denn zu ihrem Berufe gehört das Studium der jüdischen Geschichte. Vor allem aber ist es ihr Beruf, eine junge judenstolze Generation heranzuziehen, und bei uns haben sie hier die beste Gelegenheit, sich in diesem Beruf praktisch zu üben. Je mehr wir uns dem alten nationalen Judentum nähern, das eine „Gottesgelahrtheit" und „Gottesgelahrte" nie gekannt hat, um so mehr müssen unsere „Theologen" im B. J. C.