Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 5-6 (17.9.1908)
- Date
- 1908-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Der jüdische Student. aufleben lassen wird. In Bern hat vor einiger Zeit ein Verein national-jüdischer Studenten „über die Frage debattiert, ob der Jom Kippur ein nationaler oder „nur" ein religiöser Festtag sei. Im ersten Falle sei er auch noch heute fastend zu begehen, im anderen Falle habe er für die Gegenwart mit ihrer glorreichen „Neuschöpfung" eines reinen jüdischen Nationalismus keine verbindliche Kraft mehr. Die Majorität der über den jüdischen Gerichtstag zu Gericht sitzenden Herrn sah in dem Jom Kippur nur einen Tag von religiöser Bedeutung und beschloss seine Absetzung. Einer aus der abweichenden Minorität schrieb an die Türe des Saals, in dem dann der Jörn Kippur durch ein Bankett gefeiert wurde, die Mahnung, beim Tischgebet nicht ja'ale we-jowau (Zusatz für die Feiertage —) zu vergessen". Das Centraiorgan für das orthodoxe Judentum, „Der Israelit", das diese Tat der „unreiien" Herren Akademiker in Nr. 31 behandelt, schlachtet die peinliche Sache natürlich für seine Zwecke gründlich aus und schleimt sich dabei auch über den neunten Ab in langatmig wässriger Form aus. Das ist ja natürlich sein gutes Recht und — seine Pflicht, aber offengestanden, mit der Charakterisierung der betr. Studenten als einer unreifen Gesellschaft hat der gesetzestreue Leitartikler einmal das Richtige getroffen. Nicht nur, weil diese Leute gar nicht befähigt und befugt sind, über jüdische Festtage abzuurteilen; auch nicht deshalb, weil es ein Zeichen unglaublicher Gefühlsroheit, Taktlosigkeit und glattweg unjüdischen Empfindens ist, mit der Nichtbeachtung des Jom Kippurs als Fasttages öffentlich und gewaltsam zu protzen, sondern einfach schon, weil dieser Dummejungenstreich lehrt, wie wenig Gedanken sich seine Regisseure je über den nationalen Gehalt jüdischer Festtage zu machen beliebt haben. Mit solchen unfeinen (und auch gänzlich unfruchtbaren) Gewaltakten unserer Fanatiker wollen und dürfen wir uns nicht einverstanden erklären, bei aller selbstverständlichen Freiheit, die dem Einzelnen in seiner Stellungnahme zu dem religiösen Problem als solchem zukommen muss. — Erfreulicher hört sichs an, wenn wir lesen, dass in Zürich ein jüdischer Turnverein unter lebhafter Mitwirkung von Studenten gegründet worden ist. (Isr. Wochenbl. f. d. Schweiz v. 14. Aug.) In Brüssel ist Prof. Dr. Paul Frrera zum Rektor der Universität gewählt — wahrhaftig: comme chez nous! (A. Z. v. 14. Aug.) B. K. Gedanken über unsern Geschiehts-Unterricht. Von Joseph Freund (Breslau). Mit dem Neuerwachen des jüdischen Bewusstseins brachten uns die letzten Jahrzehnte naturgemäss ein ganz hervorragendes