Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 5-6 (17.9.1908)
- Date
- 1908-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 109 mitgeteilt wurde, dürfte demnächst die Bewilligung zur Gründung des Polytechnikums seitens des Handelsministeriums herablangen. Sollte dies rechtzeitig erfolgen, so dürfte die neue Lehranstalt schon zu Beginn des nächsten Schuljahres eröffnet werden. Man braucht nicht viel Worte machen: ein jüdisches Polytechnikum in Odessa wäre ein Ereignis, von ungeahntem Wert für die national-jüdische Sache und von so weittragender Bedeutung auch für die Regierung, dass sie sich den Fall wohl erst noch gründlich überlegen dürfte. Aber — die Meldung macht auch wieder den Eindruck guter Informationen und einiger Gewissheit, und man darf jedenfalls auf ihr weiteres Schicksal gespannt sein. In Oesterreich sind gewisse Leute auf die schönen Erfolge, die Russland mit der Behandlung der jüdischen Studenten erzielt, wirklich neidisch. Dass ein Christlichsozialer (Schmid) im Reichsrat den Antrag auf Ausschluss der Juden vom Mittelschulstudium, d. h. also von den Hochschulen, stellen konnte, ist nicht weiter verwunderlich und aufregend; bezeichnend aber, dass „die deutschen sog. „freiheitlichen" Parteien — lucus a non lucendo — nahezu geschlossen dafür stimmten oder wenigstens durch absichtliche Absentierung ihre Sympathien für den Antrag bekundet haben" (M. A. Nr. 30). — In Ergänzung zu den Mitteilungen (III 53) über die Anerkennung der jüdischen Nationalität an der Universität Wien verdienen noch die Namen der am 9. Mai beim Rektor Hofrat von Ebner vertretenen Korporationen sowie ihrer Deputierten genannt zu werden: Iwria (jur. Low), Kadima (jur. Kugel), Makkabäa (techn. Freundlich) und Unitas (jur. Theodor Kohn); sie haben die jüdische Sache um ein Bedeutendes gefördert! Hervorzuheben ist auch noch, dass der Deputation die Versicherung gegeben wurde, dass die Angaben der jüdischen Studenten betr. ihre Nationalität usw. in den Ausweisen für die statistische Centraikommission notiert werden sollen. (Monatsschrirt der „oesterr.- Isr. Union", Nr. 6—7.) Es ist eine traurige, aber oft zu beobachtende Erscheinung gerade in der Arbeit für unsere Idee, dass, wenn glücklich auf einem Punkte der Angriffslinie ein schöner Erfolg zu verzeichnen ist, gleichzeitig an anderer Stelle die Offensive von übereifrigen Kämpfern reichlich genug geschädigt wird. Eben haben unsere Freunde in Wien das Renommee der national-jüdischen Sache selbst in den Augen unserer Gegner entschieden gehoben, indem sie der Universitätsbehörde die Anerkennung und Berücksichtigung ihrer Nationalität in ehrlichem, langwierigen und nicht zu leichtem Kampfe abgerungen haben, und nun wird ein Vorfall aus der Schweiz erneut der breiten Oeffentlichkeit bekannt gegeben, der freilich schon einige Jahre zurückliegt, dessen wiederholte Erwähnung und Besprechung aber uns nicht nur unwillkommen sein muss, sondern gerade viel alte Animosität gegen uns, die wir vielleicht grossenteils längst glücklich erstickt haben, wieder frisch