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Der jüdische Student · 1908-09-17 · Heft 5-6 (17.9.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 5-6 (17.9.1908)
Date
1908-09-17
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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108 Der jüdische Student. tinnen des Schitomirer Mariengymnasiums daselbst als Prostituierte angemeldet (Frkft. Isr. Farn. Bl. v. 17./8.), und zu demselben Zweck haben einige fanatische Heldinnen im heiligen Moskau die gelbe Karte der Prostituirten bei der Polizei genommen, die ihnen jedoch wieder abverlangt wurde, weil sie „nachweislich ihren Beruf nicht ausübten" (Isr. Woch. Bl. f. d. Schweiz Nr. 34). So mussten sie Moskau wieder verlassen,^ und, man mag die Form ihres Vorgehens noch so grotesk finden, der Mut und die Grosszügigkeit dieser Mädchen und die Tragik ihres Schicksals zwingen einem eine an Bewunderung grenzende tiefe Achtung ab. — Das Pendant zu der IV 80 Abs. 2 mitgeteilten Notiz ist folgende Meldung der A. Z. (v. 14. Aug.), die sich von jener anderen im Grunde nur durch die — verschiedene Schreibung des Namens des „Justiz"-ministers unbedeutend unterscheidet: „Der Justizminister Tscheglowitow ernannte von sechs jüdischen Rechtsanwaltsgehilfen auf Vorstellung bloss vier zu Rechtsanwälten am Petersburger Gerichtshofe". — Ein alter jüdischer Grundsatz der Kanzelberedsamkeit verlangt, dass man immer mit etwas Angenehmen schliessen soll: er soll auch, selbst wo wir vom finsteren Russland sprechen, zu seinem guten Rechte kommen. Aus Odessa liegt eine Nachricht vor, die für uns trotz des dunklen Hintergrundes, von dem sie sich abhebt — sie müsste ja nicht aus Russland kommen —, mit ihren frohen Aussichten ausserordentlich viel Verlockendes in sich birgt, aber doch wiederum auch, da sie gar so unerwartet und überraschend kommt, zu unglaublich klingt, als dass man einen gewissen Zweifel an ihrer Richtigkeit recht unterdrücken könnte. Die „Oesterr. Wochenschrift" meldet unter der Spitzmarke: „ein Polytechnikum für Juden in Odessa" in Nr. 34: Noch im vorigen Jahre hat sich in Odessa ein Komitee gebildet zu dem Zwecke, eine technische Hochschule ins Leben zu rufen, die hauptsächlich jüdischen Studierenden zu gute kommen soll. An den Vorbereitungen haben u. a. teilgenommen : Der Rektor der Od. Universität, der Direktor der höheren Frauenkurse, der Vorsitzende der Gesellschaft der Aerzte, Dr. Bardach, der Vorsitzende der Od. Abteilung der jüdischen Bildungsgesellschaft, G. E. Weinstein, der Advokat M. G. Margulis. Das Komitee zeichnete zum Zwecke eines Neubaues 100 000 Rubel und arbeitete einen vollständigen Lehrplan aus, der den besten ausländischen Mustern nachgebildet wurde. In der Eingabe an den Handelsminister verlangt das Komitee die Erlaubnis zur Gründung einer technischen Hochschule auf allgemeiner Grundlage für Studirende ohne Unterschied des Glaubens und des Geschlechtes, sollte dies jedoch nicht möglich sein, so möge die Erlaubnis für eine techn. Hochschule ausschliesslich für Juden erteilt werden, da diese infolge der angeschriebenen Percentnormen zum grössten Teil aus den Hochschulen ausgeschlossen bleiben. Wie nun dem Komitee vor einigen Tagen aus Petersburg

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