Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 5-6 (17.9.1908)
- Date
- 1908-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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104 Der jüdische Student. überhaupt allen Arbeitens unbedingte erste Grundlage das gediegene Wissen ist, um so stärker musste sich der Wunsch und geradezu die Notwendigkeit geltend machen, eine Stätte zu schaffen, wo alle Momente aus dem ja so ereignisreichen Leben der jüdischen studirenden Jugend in und ausserhalb Deutschlands regelmässig und sorgfältig gesammelt und registrirt werden. Als eine solche Stätte sind diese Blätter in unserer Zeitschrift gedacht, und diese Bestimmung der Monatsübersichten steht ja nicht etwa in zweiter Linie. Ueber den Ausbau dieses Archivs sowie über viele Einzelheiten hoffe ich mich nächstens einmal ausführlicher aussprechen zu können. Für heute, da der erste Jahreszyklus der monatlichen Revue beendet ist, schien es angebracht, einige allgemeine Gesichtspunkte prinzipieller Natur vorauszuschicken, nicht zuletzt, um etlichen ungeduldigen Hitzköpfen etwas Wasser in den Wein zu giessen. — Gleich einige Kleinigkeiten, die vom Kyffhäuser-Verband zu berichten sind, sind nicht gerade für uns überraschende Neuigkeiten. Der K. V. ist die Lieblingskorporation des Abwehrvereins und der Universitätsbehörde, die sich beide, so oft sie nur können, mit ihm beschäftigen — nur freilich beide in verschiedener Weise. Der Abwehrverein möchte zu gern seinen Getreuen einreden, dass es mit dem Antisemitismus in der Studentenschaft bergab geht (vgl. IV 78); aber die M, A. mussten doch folgende interessante Notiz aufnehmen (Nr. 32), die recht wenig für den Bankerott der antisemitischen Verbindungen spricht: Im Neuphilologischen Verein an der Universität, der dem Weimarer Kartellverbande neuphilologischer Vereine angehört, scheinen sonderbare Dinge vorzugehen. Bisher war er ein Gegner des antisemitischen V. D. St. und bekämpfte ihn heftig bei den Lesehallenwahlen. Der Vorsitzende dieses Neuphilologischen Vereins wurde sogar erster Vorsitzender der Lesehalle, als die antisemitische Herrschaft im Jahre 19Ü6 gestürzt wurde. Nun ist dieser Herr plötzlich aus dem Verein ausgeschlossen worden, und der Verein selbst ist dem antisemitischen „Deutschen Verbände wissenschaftlicher Vereine" beigetreten, der dem V. D. St. treue Gefolgschaft leistet. Diesem Verbände gehören damit jetzt sechs Vereine an, neben dem Neuphilologischen noch der Akademisch- Pharmakognostische Verein, der Juristen-Verein Teutonia, der Theologische Studentenverein, der Akademisch-Philologische Verein und der Akademisc'.e Verein für Mathematik und Physik. Auch nach innen tun die V. D. St.en alles, um ihre junge Mannschaft auf der Höhe eines durchgebildeten Antisemitismus zu halten. Wie man aus Heft 7—8 der Centralvereinszeitschrift „Im Deutschen Reich" erfährt, bildet einen wesentlichen Teil des Fuxenunterrichts die Behandlung „nationaler Fragen, im besonderen der Judenfrage"; wenigstens ist dieses Thema der erste Punkt des