Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 5-6 (17.9.1908)
- Date
- 1908-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 103 Zu meinem grössten Erstaunen erscheint vom alten V. J. St. nur ein kleiner Teil. Ich höre, es seien etliche nun doch mit der Lösung nicht zufrieden und wollten austreten. Die Sezession ist vergnügt und gedenkt nun "Reinigung im Verein zu veranstalten. Da machte ich am nächsten Tage Konvent und schloss trotz anfänglichen heftigen Widerstrebens beider Parteien das Semester. Zweck der Uebung: Jede Gelegenheit zu neuem Zank musste unbedingt vermieden werden. (Dagegen sollten recht viele öffentliche Kneipen etc. veranstaltet werden. Dattlerbowle hat eminente Versöhnungskraft!) Einige Leute reichten trotzdem ihr Aiistrittsge* such ein und waren trotz aller persönlichen Vorstellungen nicht zum Bleiben zu bewegen. Damit ist die Affäre nun erledigt. Ich nehme an, dass kein Mensch mehr an den Dingen rühren wird. Die neuen Leute, die nach Freiburg gehen, werden hoffentlich alles tun, um die Sache vergessen zu machen und ein Aufflackern des Zwistes im Keime zu ersticken. Ich begreife nicht, wie man in Freiburg leben und sich ärgern kann. Und noch dazu solcher Dinge wegen! Sauft Bowle, liebe Freiburger, vergesset und verzeihet, und bitte auch mir, wenn ich Euch gekränkt habe, durch manches harte Wort und durch diese Zeilen. Euer Z w i r n. Jüdisch-studentische Monatsubersicht. Es ist bereits an dieser Stelle in Heft 3 ausdrücklich betont worden, wie notwendig trotz aller durch die Verhaltnisse leider nicht zu umgehenden Wiederholungen und bei dem im Grunde absoluten Mangel an Abwechselung dennoch das regelmässige Erscheinen und — Lesen dieser Monatsübersichten ist und bleibt. Einmal, weil unsere Leute unbedingt stets über alle Vorgänge des jüdisch-studentischen Lebens auf dem Laufenden erhalten werden müssen, um sich so ihren Standpunkt den vielen jüdischen und speziell akademischen Problemen gegenüber mit gediegener Sachkenntnis bilden und wahren zu können; dann aber auch, weil diese Seiten im J. St. wirklich noch eine andere nachhaltigere Bestimmung haben, als die, nach flüchtiger Lektüre vergessen oder gar überhaupt ganz überschlagen zu werden. Die Monatsübersichten bilden, nur der Form nach von anderen Einrichtungen ähnlichen Zweckes unterschieden, ein Archiv, und zwar, irre ich nicht, das erste Archiv für jüdisch-akademische Angelegenheiten welcher Art auch immer. Je mehr sich auch in unseren Kreisen die Erkenntnis Bahn bricht, dass es mit der Fanatisirerei eines überspannten Gefühles nicht getan ist, wenn man den Anforderungen der jüdischen Gegenwart, noch mehr aber der jüdischen Zukunft mit Hingabe leben will, sondern dass allen Reformirens,