Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 5-6 (17.9.1908)
- Date
- 1908-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Der jüdische Student; Freibarg. Ich soll über meine Reise nach Freiburg berichten. \ Sie war sehr schön und hat den B. J. C. ein schönes Geld gekostet — zurückerhalten habe ich es leider erst zum Teil. Der damalige Bbr. Krinsky in Freiburg wollte dem Bbr. Landau nicht sekundieren (persönliche Differenzen lagen vor); das war nicht sehr vornehm und nicht bundesbründerlich. Natürlich steigt ein E. R. Die Ehrenrichter (Preuss, Schragenheim, Rosenthal) sind äusserst milde und wahren die Normen der Ehrenratsordnung nicht. — Krinsky erhält eine Rüge. Landau und dessen Freunde Benenson und Cohn kritisieren das Urteil auf dem Konvent und verlangen die Dimission des Kr., aber nicht durch ein neues E. R. (wie es ordnungsmässig wäre), sondern durch Konventsbeschluss. Der Konvent lehnt ab; heftige persönliche Reibereien folgen, die drei treten kurzer Hand aus, ihr Anhang geht mit, 14 Leute verlassen als Sezession den V. J. St.-, Freiburg. Sie hoffen natürlich, dass man sie, die anerkannt eifrigsten V. J. St.-er, nicht so ohne weiteres wird ziehen lassen, und Benenson gellt zum Kadi nach Berlin. Aber der Rest des V. J. St.-Freiburg, der sich bedroht fühlt, will schnell einen reinen Tisch machen, gibt Krinski und dessen Parteigänger Rosenthal den Rat zum Austritt und bewilligt, unbekümmert um Hildesheimers Aktion in Freiburg, a tempo alle Austrittsgesuche. An dem Sonntag, an dem ich in Freiburg eintraf, habe ich fast ununterbrochen von vormittags 10 Uhr bis nachts 2 Uhr auf dem Konvent gesessen, abwechselnd beim V. J. St. und bei der Sezession. Am nächsten Tag lag ich ganz kaput und total heiser zu Bett. Soviel Unbesonnenheit, Hartnäckigkeit und persönliche Erbitterung (teilweise auch Ueberhebung) sieht man selten zusammen. Wären die Wünsche der Parteien erfüllt worden, so wäre wohl kein Mensch mehr im V. J. St.-Freiburg. Jedes kleinste Missverständnis wurde als persönliche Intrige gedeutet, jeder erklärte den andern als Idioten, als Schädling im B. J. C, und niemand war da, kein älterer V. J. St.-er, der über den Dingen stehend, imstande gewesen wäre, zur rechten ZelF* dem Gezänk Einhalt zu tun. Ich hatte - einen schweren Stand mit beiden Parteien. Sehr wesentlich unterstützt hat mich A. H. Moses (der lange Moses) aus Pforzheim, sowie Bbr.. Bbr. aus Strassburg und Marburg. Sie waren eigens dazu herübergekommen. Mit Ach und Krach Friedensschluss (Krinski und -Rosenthal sollten draussenbleiben, Cohn im kommenden Semester aus dem V. J. St. Freiburg wegbleiben, Benenson und Landau im laufenden Semester den Verein nicht mehr besuchen, sonst alles wieder beim alten bleiben)! Am nächsten Abend grosse Versöhnungskneipe auf dem Dattier!