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Der jüdische Student · 1908-07-30 · Heft 4 (30.7.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 4 (30.7.1908)
Date
1908-07-30
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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82 Der jüdische Student. Nun gehts weiter.: Und die äusserliche Gegend? Hat nicht Herr Beer-Hofmann von Salzburg selig geschwärmt? Und Herr Felix Saiten vom Wienerwald? Und Herr Theodor Herzl vom Kahlenberg? War das vielleicht nur ganz äusserlich? Und im Innern haben sie sich nach der syrischen Wüste gesehnt? Nicht hier, wo sich die heroischen Alpen zur lieblichen Landschaft mildern, Fuhlen sie ihre Heimat, sondern — wo? In der syrischen Wüste? In der Trockenheit des palästinensichen Sandlandes? Oder in den schmutzigen Ghettos von Minsk und Odessa? Oh Gott, die Armen! Man sieht, wie leicht der Verfasser seine Aufgabe bewältigt. Ueber diese wissenschaftliche Methode braucht ja nun eigentlich weiter kein Wort verloren zu werden. Nur einige wissenschaftliche Scherze und besonders charakteristische Redensarten seien hier festgenagelt und näher besehen. o t> Es ist zunächst schade für den Verfasser, dass er nicht einmal die von ihm „behandelten" Argumente der jüdischen Nationalen richtig wiedergegeben hat. „Das Deutsche sei nur das Aeusserliche, das Jüdische aber das Innerliche. Dieses Aeusserliche sei die Sprache und d;e Gegend, in der man zu Hause sei." Diese Argumente hat Herr Grossmann selbst erfunden. Mit so fadenscheinigen Argumenten hat kein Jude je die jüdische Nationalität zu beweisen versucht. Keiner ausser Herrn Grossmann hätte ihn für ernst genommen. Insbesondere ist uns nicht bekannt und bezweifln wir füglich, dass die citierten jüdischen Schriftsteller sich solcher Ausdrucksweise bedient haben. Aber es ist natürlich leichter, wenn man eine Wut haben will, sich die dazu gehörigen Tatsachen selbst zu gründen, als eine begründete Wut zu haben. Aber nicht einmal auf diese selbst geschaffenen Pseudobehauptungen vermag der Verfasser sachgemäss zu erwidern. Die angebliche Behauptung der judischen Nationalen, dass die Gegend, in der man zu Hause wäre, etwas Aeusserliches wäre, widerlegt er damit, dass einige jüdische Dichter sich an deutschen Naturschönheiten erfreut hätten, ohne sich nach der syrischen Wüste zu sehnen. Noch eins sei dem Verfasser entgegnet: dass Redensarten wie „die neue Nation", ,,die eben kreirtc Nation" nur jemandem entgleiten könne, dem die jüdische Geschichte und Litteratur ein unbekanntes Gebiet ist Das jüdische Volk ist eins der ältesten vorhandenen, es wird sprichwörtlich „das' alte Volk" genannt. Noch im Anfang des vorigen Jahrhunderts fiel es keinem ein, von den „Deutschen jüdischer Konfession" zu sprechen. Der Begriff des jüdischen Deutschen, den auch Herr Grossmann ausdrücklich auf sich angewandt wissen will, ist erst von seinen Gesinnungsgenossen im 19. Jahrhundert gewaltsam geprägt worden, als es diesen unter Berücksichtigung der Stellungnahme der deutschen Regierung ratsam erschien, die jüdische Nation aufzulösen.

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