Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 4 (30.7.1908)
- Date
- 1908-07-30
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. Öl gnügen zu versagen, sie mit tendenziösen Redensarten zu verspotten), alsdann versucht er ihre Unrichtigkeit zu beweisen — diesen „ Versucha einer Beweisführung wollen wir etwas beleuchten — und schliesslich zieht er die moralische Nutzanwendung, welche in dem geistreichen Scherz besteht, die Bestrafung der Urheber des Ereignisses mit ein paar Jahren Ghetto, abzubüssen in Lodz oder Minsk oder Kiew, in Vorschlag zu bringen. Nachdem sich der gutmütige Leser über das redens^rtliche Beiwerk der Einleitung geärgert hat, — der etwas gallige kommt über dieselbe garnicht hinweg — denkt er: „Das war nur die Einleitung. Jetzt werde ich dafür ein paar ernsthafte Argumente gegen das Vorhandensein einer jüdischen Nation lesen. Ich bin neugierig, wie der Verfasser die verschiedenen Elemente und Merkmale der Nationalität (Abstammung, Sitten und Gebräuche, Sprache, örtlicher Zusammenhang, Interessen, Ideen, Ideenformen, Zusammengehörigkeitsgefühl und -willen etc. etc.) vorliegend als nicht vorhanden beweist." — Wer so dachte, den hat Herr Grossmann gründlich hinters Licht geführt. Solche Neugierde lässt er unbefriedigt. An eine derartige Beweisführung denkt er nicht. Seine Argumentation geht (auszugsweise mitgeteilt) etwa folgendermassen: Kann man ein Franzose deutscher Nation sein? Kann man ein Engländer japanischer Nation sein? Aber ein Deutscher jüdischer Nation soll man sein können? Ah, sagen die An gehörigen der neuen Nation, wir sind natürlich Juden, das ist unsere Nation, das deutsche.....ah, das ist nur so wegen der Sprache erwähnt und wegen der Gegenden, in die wir zuständig sind. Das Deutsche an uns, sagen sie, ist nur das Aeusserliche, das Jüdische ist das innerliche! Und so reden nicht etwa nur die jüdischen Finken, nein so reden anerkannte, ernste, berühmte Leute, die sich gern europäisch geben, vor allem die sog. jungwiener Dichter, Herr Richard Beer-Hofmann, Herr Felix Saiten, der verstorbene Theodor Herzl. Fast alle diese jungwiener Dichter sind deutsche jüdischer Nation. Das Deutsche ist an ihnen das Aeusserliche, das Jüdische das Innerliche. Was ist denn das, das äusserlich Deutsche? Na, sagen die Angehörigen der eben kreirten Nation möglichst nonchalant, das ist die Sprache, weil wir ja doch einmal Deutsch gelernt haben, und die Gegend, weil wir doch irgend wohin zuständig sein müssen. Ich höre es und staune. Nun folgt eine Auslassung über die Bedeutsamkeit der Sprachen, deren Sachlichkeit nur durch folgenden (nebenbei sehr rührenden) Satz des Autors belegt sei: „Die Sprache — ein Aeusserliches? Ich habe ein Jahr lang in Belleville, im proletarischen Paris, gelebt, und als ich eines Abends durch die dünnen Wände meines Hotels plötzlich Deutsch reden hörte, da hätt ich am liebsten aufgeweint , vor Freude."