Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 4 (30.7.1908)
- Date
- 1908-07-30
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Der jüdische Student. 79 Ordinarius werden kann, unmöglich! Aber warum sollten die Herren Professoren auch anders denken. Bleibt ihnen doch so der Teil der Konkurrenz, den sie durch ihre Clique nicht fernhalten könnten, so schön vom Leibe, und sie können noch dabei ihre Hände in Unschuld waschen! Diese heimliche Schadenfreude — neben öffentlicher Entrüstung — sollte eines Gelehrten unwürdig sein; aber eben dieser versteckte Antisemitismus der Kollegen hat schon manchem jüdischen Akademiker die Lust an der wissenschaftlichen Arbeit geraubt, und er hat vielen das Leben vergällt. Und der „Fall Adler4* sollte die Oefftntlichkeit über den* heimlichen ,,kollegialen" Antisemitismus der Herren Professoren, und zwar — das ist ein besonders tief verborgenes Geheimnis! — auch der liberalen Professoren, gründlich aufklären! Linseren regelmässigen Mitteilungen aus Russland fügen wir heute folgende Meldungen über die neuesten Ruhmestaten der russischen Offiziellen hinzu: Der reaktionäre Kurs, im russischen Kultusministerium hat, wie man unter dem 27. Juni aus Petersburg schreibt, die jüdische Bevölkerung besonders schwer getroffen. Hintereinander hageln Massnahme auf Massnahme, durch die den Juden jede Bildungsmöglichkeit genommen wird. Die Prozentsatznorm wird wie in den finstersten Zeiten strikte eingehalten. Dies gilt nicht nur für die Mittel- und Hochschulen, sondern auch als Neuerung für die zahnärztlichen Lehranstalten, die von den Juden höchstens in einem Prozentverhältnis von 3 bis 10 Prozent besucht werden dürfen, wenn sie ihnen nicht gänzlich verschlossen sind. Früher gab es nun wenigstens unter den freien Hörern und Hörerinnen eine beträchtliche Anzahl von Juden; allein dies Institut ist durch Verfügung des Ministeriums über Nacht abgeschafft worden. Zur weiteren Bedrückung der Juden ist die Zahl derer, die als ,,Wilde" zum Abiturientenexamen zugelassen werden, wesentlich eingeschränkt worden. (J. R. No. 27.) Warschau. Im laufenden Jahre haben 30 Juden die hiesigen Gymnasien und 12 Juden die Landwirtschaftliche Schule in Pulawy mit der höchsten Auszeichnung (Medaillen) beendet. Zusammen mit denen, die die Schulen im vorigen Jahre beendet haben, gibt es augenblicklich im Königreich Polen 75 solcher mit Medaillen ausgezeichneten jungen Juden. Die „Medaillisten", wie man sie nennt, haben bei der Aufnahme in die Universität den Vorrang. Trotzdem soll die zehnprozentige Norm beibehalten werden, d. h. die „Medaillisten" werden nur dann aufgenommen werden, wenn die Zahl der christlichen Kandidaten 750 erreicht. Bisher aber sind erst 500 Bittschriften um Aufnahme von Christen eingelaufen. (J. R. No. 28.)