Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 4 (30.7.1908)
- Date
- 1908-07-30
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Der jüdische Student. taktischen Gründen" den modernen antisemitischem Hetzrummel mitmacht, ist besonders „ethisch". Man wird diese Lebensäusserüng des Bundes ,,Ethos" richtig zu beurteilen haben. Nachdem die Ethik ihre Zugkraft nicht bewährt hat, — der Bund soll in ganz Deutschland etwa 150 Mitglieder haben, — versucht man es mit dem stets bewährten Antisemitismus. Man sieht also: ,,aus taktischen Gründen" — eine Tendenzänderung. So vermisst man auch auf der Universität den Geschäftsantisemitismus nicht. Die M. A., die den oben mitgeteilten Bericht bringen, können sich das Vergnügen nicht versagen, dem räudigen Schaf Ethos" als Muster für Verbände, die auch ohne antisemitisch zu sein, wirken können, den allgemeinen deutschen Burschenbund und die freie deutsche Studentenschaft vorzuhalten, ,,zwei grosse studentische Verbände, die an -fast allen deutschen Hochschulen vertreten sind und zahlreiche jüdische Kommilitonen zählen." Wer hier über die unfreiwillig humorvolle Zusammenstellung, dass die Verbände zahlreiche — wir würden den Ausdruck noch steigern — jüdische Commilitonen besitzen und nicht antisemitisch sind, 4acht, tut dies, weil er die beiden Erscheinungen (Judenüberfüllung und Judenfreundlichkeit) in umgekehrter Reihenfolge hinsichtlich Ursache und Wirkung als das Abwehrblatt anwendet. Auch vergisst er, dass man auch als Jude Antisemit sein kann. — Im übrigen ist es eigentlich recht unpassend für den Abwehrverein, eine Gesellschaft von Juden, wie die im A. D. B. vereinigte, welche von ihrem Judentum nichts wissen will und sich bei der Erzeugung von Antisemitismus stark betätigt, fortwährend zu hätscheln. Vgl. auch die Beweihräucherung in No. 26 der M. A. S. auch No. 25 bezüglich der freien Studentenschaft. Für die mutige Arbeit im Dienste des bewussten Judentums der B. J. C.-Corporationen hat der Abwehrverein allerdings noch kein Lob und wohl auch keiti Verständnis gefunden. Die zweite Juninummer der ,,Akademischen Blätter" meldet den Austritt von 10 Mitgliedern aus dem Kyffhäus er verband, die erste Julinummer den von 11 Mitgliedern. Die M. A. vom 15. 7. 08. wollen hieraus konstatieren, dass der Verband den Höhepunkt seiner Werbekraft überschritten hat. — Ueber professoralen Antisemitismus gibt die Jüdische Rundschau No. 26, nachdem sie .einen einzelnen Fall der Zurücksetzung eines Juden vom ordentlichen Lehramt besprochen, folgende treffende Bemerkungen: Aber es ist nicht wahr, was liberale Akademiker so oft behaupten, dass dieser Antisemitismus nur vom preussischen Kultusministerium gepflegt werde! Wenn die Herrscher in der Gelehrten-Republik, die ausschlaggebenden Professoren nicht mit dem Antisemitismus ihrer vorgesetzten Behörde innerlich durchaus sympathisierten, so wäre dieser Zustand, dass ein Gelehrter, der Jude ist, in Preussen fast niemals mehr