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Der jüdische Student · 1908-07-30 · Heft 4 (30.7.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 4 (30.7.1908)
Date
1908-07-30
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Der jüdische Student. 77 schlössen (vgl. diese Zeitschrift I 12 S. 312). Nun hat der Bund abermals in zwei Versammlungen sich mit seiner Stellung zur Judenfrage befasst, wie es allerdings nach den Berichten scheint, mit mehr Entschlossenheit als Klarheit. Die M. A. (vom 15. 7. 08) wissen hierüber zu berichten: Nach den offiziellen Mitteilungen im amtlichen Organ des Bundes kam es beide Male zu sehr lebhaften Auseinandersetzungen. Die Versammlung teilte sich in drei Gruppen, die eine verschiedene Stellung zu der Streitfrage einnahmen. Die einen, so heisst es in dem Bericht, „erklärten den Ausschluss der Juden für eine grundbedeutende Notwendigkeit wirklich zweckvoller praktischer Tätigkeit des Bundes". — Begütigend wurde hinzugefügt, dass die rein menschliche Stellung des Einzelnen dem Juden gegenüber nicht im geringsten getroffen werde. Die anderen „wünschten mit Rücksicht eben auf diese rein menschlichen Gesichtspunkte, sowie auf das ideale Ziel des Bundes die Mitgliedschaft efer Semiten.u Eine dritte Gruppe endlich stellte, um zu vermitteln, den Antrag, im § 4 der Bundessatzungen an Stelle von „jeder Student deutschen Stammes" nunmehr zu setzen: „jeder deutsche Student". Dabei erhielt der Bund stets die Möglichkeit, unangenehme Elemente fern zu halten. Diese drei Hauptgedanken wurden mit mehr oder weniger Geschick etwa eine Stunde lang verfochten, dann wurde der Bund als unerledigt von der Tagesordnung abgesetzt. Acht Tage später fand man sich zu einer neuen Bundesversammlung zusammen, um dasselbe Thema noch einmal zu behandeln. Grosse Reden wurden geschwungen. Schliesslich präzisierte der Vorsitzende, ein Herr Boelicke, seinen Standpunkt dahin: „Selbst wenn man zugibt, dass der Ausschluss der Juden, rein ethisch betrachtet, eine gewisse Ungerechtigkeit bedeutet, so ist doch aus taktischen Gründen eine Organisation, die in der deutschen Studentenschaft wirken will, zu diesem Schritte gezwungen, da sie sich anderenfalls selbst den Lebensfaden abschneidet. Diese Stellung des Bundes hat natürlich nicht das geringste zu tun mit der Stellung des Einzelnen zum Judentum." — Dieser Erklärung stimmte die Mehrheit der Versammlung zu. Das Ergebnis der Verhandlungen war, dass ein Antrag auf Zulassung der jüdischen Kommilitonen zum Bunde mit allen gegen eine Stimme bei einer Stimmenthaltung abgelehnt wurde. Interessant ist die Mitteilung desselben Blattes, dass dieser Bund aus den allgemeinen studentischen Mitteln finanziell unterstützt wird. Dass er eine starke Minderheit der Commilitonen, deren Geld er gerne nimmt, aus seinem Hause setzt und „aus

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