Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 3 (24.6.1908)
- Date
- 1908-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Im politischen Leben in Deut sohl and — das tritt jetzt bei den pirrassischen Landtagswahlen wieder recht einleuchtend hei vor — kommen wir nicht vorwärts, wenn wir nicht Anschluss suchen. In unaaren engen studentischen Verhältnissen ist es vor allem unser Bestreiten, alle diejenigen, die — irgend wie geartete — jüdische Ziele erfolgen, als Bundesgenossen heranzuholen. Zu den Gruppen, deren titereinstige Annäherung an uns bisher immer noch nicht als ganz arosgeschlossen betrachtet wurde, gehört der A. J. G. V. Dass ein wenn auch noch so loses Zusammengehen mit dieser Corporation für un* weder denkbar noch wünschenswert ist, lehrt ein Blick in die zum 25. Stiftungsfest des Vereins von Dr. Julius Cohen herausgegebene sGeschichte des akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur*. Nicht etwa deshalb, weil sich in diesem — übrigens recht oberflächlich und ungeschickt zusammengestellten — ScMftchen Stellen finden, in denen ebenso verhüllt wie matt gegen oais Stellurig genommen wird. (Insbesondere Seite 6: »AVir sind vu?it entfernt, lediglich eine Vereinigung von Fach- und Berufsgemssen zu sein, ebenso wie wir nach keiner Richtung hin eine e&klusive Stellung einnehmen. Dies hat uns auch verhindert, mit Vereinen ähnlichen Namens in Beziehung zu treten, denen religio«*- oder polirische Ziele vorschweben. Dagegen haben wir Fühlung mir akademisch-wissenschaftlichen Vereinen gesucht un i geiun&n4. Ilabeant sibi!) Sondern das schlimmste ist doch, dass im A. L G. V. offenbar vollständig der Wunsch fehlt, sich mit den mo kernten jüdischen Problemen zu befassen. Von jüdischer Gegenwansge*ehichte, von sozialen Fragen ist nirgends die Rede. Der „Die föele des A. J. G. V." betitelte Teil der Schrift schliesst-pathetisch.-: „ . . . Der A. J. G. V. steht unerschütterlich da als eindringlidie. lebendige Mahnung an die akademische AVeit: Verschafft unserer Wissenschaft gleiches Recht neben alle anderen. Und wir ruhen nicht eher, bis an unserer Universität auch der jüdischen Geschulte und Literatur ein Lehrstuhl eingeräumt wird. Dass wir dieses Ziel - erreichen werden, hotten wir zuversichtlich, denn einmal müssen "Wahrheit und Recht siegen". Wahrhaftig, man braucht kein Verächter der Wissenschaft des Judentums zu sein, um zu sagen: Demgegenüber sind ja die K. C.-er, die sich erst zur Rulle setzen wollen, wenn die deutschen Corps und Burschenschafter. Juden aufnehmen, Heroen. Es kann ganz dahin gestellt bleiben, ob die Errichtung eines Lehrstuhls für jüdische Geschichte und Linreratur an der Berliner Universität überhaupt wünschenswert ist. ein würdiges Endziel für die jahrelange Kraftentfaltung junger Juden iist sie nicht. Waren wir schadenfroh, so könnten wir vielleicht einen gewissen Ersatz für Enttäuschungen im jüdischen Lager darin erblicken dass eine nicht unwichtige Gruppe unter unsern Gegnern gegenwärtig übel dran zu sein scheint. Die „Berliner Morgenpost* vom 4. Juni meider: