Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 3 (24.6.1908)
- Date
- 1908-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 53 Bekanntlich ist es an den österreichischen Universitäten infolge einer Broschüre Prof. Wahrmunds zu heftigen Konflikten gekommen. In welcher Weise die Christlichsozialen das Problem des Einflusses der katholischen Kirche auf die Universitäten „diskutiert" laben, geht daraus hervor, dass in Graz unter Anführung von drei christlich-sozialen Abgeordneten ein Sturm der Bauern auf die Universität stattfand ('Wiener Brief in den M. A. vom .3. Juni)! In diesen Kämpfen nun hat die nationaljüdische Studentenschaft eine überaus würdige Haltung beobachtet (vergl. Welt, No. 21). Eine Deputation der zionistischen al ademischen Korporationen erklärte dem Rektor der Wiener Universität auf Befragen,' dass sie bereit seien, den Kampf für die Lehrfreiheit auch durch Teilnahme an einem etwaigen Ilochschulstreik zu unterstützen. Das Hauptgewicht legten die Jüdischnationalen darauf, ganz selbständig vorzugehen und insbesondere weder in die Abhängigkeit der Deutschnationalen noch in die der DeutsehfreiKinnigen (das sind im wesentlichen jüdische A ssi m i lauten, vom „bayerischen Vaterland4' (v. 5. VI.) kurz und bündig als „dumme Jungen" charakterisiert) zu geraten. Als der akademische Senat besehloss, den Anschlägen auf die Lehrfreiheit entgegen zu treten, und der Rektor die Studentenschaft aufforderte, keinen Streik zu veranstalten, sprachen die Jüdisehnarionalen als erste dem Rektor ihr Vertrauen aus; während die Uebrigen noch zauderten. — Tn Czernowitz ging die zionistische Studensehaft zwar gemeinsam mit den Deutsch-freiheitlichen vor, aber sie setzte unter Hinweis darauf, dass gerade an der Czernovitzer Universität der Versuch gemacht worden war, den Abg. Dr. Mahler seiner zionistischen Oesinnung wegen an der Ausübung seiner Dozentur zu hindern, duch, rdass in dem Memorandum an den Senat jeder Anschlag gegen die Lehrfreiheit, von welcher Seite immer (also aurh von studentischer), sei es aus politischen, religiösen oder nationalen Gründen, verurteilt wurde. . . .".In der Ansprache, die der Rektor bei Entgegennahme des Memorandums an die Studentenschaft richtete, berief der Redner sich auf die Haltung des Senats in der Affäre Mahler und verurteilte auf solche Weise auch bei dieser Gelegenheit die Haltung der deutschen Studentenschaft". (Welt, No. 21). Xeben diesen Augenblickserfolgen hat die nationaljüdische Studentenschaft in Wien einen Erfolg errungen, der von dauernder Bedeutung ist und nichts dadurch an Wert verliert, dass er eben nur in dem stämmereichen Oesterreich errungen werden konnte: das Professorenkollegium der Wiener Universität hat, wie der Rektor den Abordnungen der jüdischen Korporationen mitteilte, den jüdischen Studenten gestattet, „im Nationale „Jüdisch" als ihre Muttersprache anzugeben oder der Rubrik Muttersprache, falls die Umgangssprache nicht die jüdische ist, den Vermerk „jüdische Nationalität" beizufügen" (Welt Xo. 19). Das bedeutet die Anerkennung der jüdischen Nationalität!--