Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 3 (24.6.1908)
- Date
- 1908-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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52 Der jüdische Student. mMster abhängenden Ernennung der Juden zu Piivatverteiffigern und Rechtsanwälten weiter beibehalten werden sole-n. Da man von vornherein auf diesen Antrag vorbereitet wairr so hatte sich die Kommission in voller Zahl versammelt. Abwesend waren nur ein'ge Mitglieder der,Rechten unl der einzige der Kommission angehörende Sozialdemokrat. Der Antrag wurde gestellt vom Kadetten Adschemow und unterstützt von de 1 polnischen Deputierten Partsehewski und Dym-scha, wie auch vom Kadetten Tsehernoswitow. Im Nannccn des Justizministers sprach der Yiceminister Luce, weither den Antrag bekämpfte, indem er behauptete, dass die*ß Frage keineswegs von der Kommission gelöst werden * kaaon's, sondern auf gesetzgeberischem "Wege durchgeführt wenlen solle .... Bei der- Abstimmung wurde der Antrag übetr die Abstimmung der Beschränkungen für Juden in dor Admkatur, und zwar für Privatverteidiger mit der Mehrheit von 2l gegen 8, für Rechtsanwälte von 15 gegen 14 angenoMnaien, ein Teil der Oktobristen stimmte mit der Linken. iWeh, No. 17.) Üa-sf die Dumamehrheit sich auch auf diesen Standpunkt stellen würde, schien von vornherein mehr als zweifelhalt. Inzwischen aber hat die russische Regierung alle Hoffnungen jäh ven lichtet: Die neueste politische Strömung, die reaktionärer ist als je zuvor, hat auch auf diesem Gebiete alle liberalen Ansätze glaüt weggewischt. Die jüngst ynm Warschauer Kreisge- . rickr dem Justizministerium zur Beförderung vorgeschlagenen vier Referendare wurden ohne jeden Grund einfach abgewiesam. (J. R-, No. 20.) Soweit der russische EinHuss reicht, ist eben die Lage der Juden trostlos. Bezeichnend ist eine Resolution, die eine grosse Versammlung der jüdischen Studenten in Ilelsingfors annahm, als es sich — der Anlass erscheint nicht allzu bedeutsam — darum handelte, ob die jüdischen Studenten an einem von der Stadt veranstalteten Maifest teilnehmen sollten: In Anbetracht der menscht nunwürdigen Behandlung, der die Juden in. Finnland ausgesetzt sind, und der Interesselosigkeit, mit der die Finnländische Intelligenz an der Judenfrage vorbeigeht, und in Anbetracht der Tatsache, dass die Regierung anstatt eine Besserung der Lage der Juden anzustreben, alle diejenigen Bestrebungen zu fördern scheint, welche auf eine Verschlechterung ihrer Lare hinzielen, beschliesst die Versammlung als Zeichen des Protestes, von dem bevorstehenden städtischen Maifest fernzubleiben. (J. R. Xo. 20.) In Oesterreich sind den jüdischen Studenten erfreulicherweise vidi ■ weiter reichende Möglichkeiten des Zusammenschlusses gegeben. Das hat sich deutlich bei Gelegenheit der Wahrmund- Affäre gezeigt.