Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 3 (24.6.1908)
- Date
- 1908-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Der 3üdifcfie Student üTonateubrnt bc* 23unbc* Jü&ifcbcr Korporationen V. Jabrg. 24. Juni 190s. Üo. 5. Jüdisch-studentische Jlonatsühersicht. Ist es nichr immer wieder dasselbe Bild? In Russland Bedrückungen auf allen Gebieten, die oft, als seien sie nicht an sich schon martervoll genug, gerade dann eintreten, wenn Besserungen verheissen und erhofft sind. In Oesterreich mannhafter Kampf speziell unserer studentischen Gesinnungsgenossen, der, wenn auch im einzelnen beachtenswerte Erfolge erzielt werden, im Grunde doch wenig aussichtsvoll i.>t. Und in unserer nächsten Umgebung immer wieder Anzeichen dafür, dass wir uns gegenwärtig, der tausend Beziehungen zur jüdischen und nichtjüdischen Umwelt impachtet, in den für uns wesentlichsten Punkten in einer splendid Isolation befinden. Ist dies nicht jedes Mal das Gesamtbild? Fast könnte man zwe'.feln, ob es sieh überhaupt noch verlohnt, eine jüdisch-studentrsebe Monatsübersicht zu lesfn oder gar — zu schreiben. Und dennoch ist das unbedingt erforderlich: es gilt, sich jederzeit jeden Zug des Bildes zu vergegenwärtigen, wenn anders wilder Gefahr begegnen wollen, dass unsere Gedankenzüge wirklichkeitsfremd werden. In Russland ist jetzt die Frage der jüdischen Rechtsanwälte aktuell. Ueber die Entwicklung, die sie genommen hat, teilt der Warschauer Korrespondent der J. R. (in No. 2ü) mit, dass es seit 1SS9 dem Justizministerium frei überlassen worden ist, ilio «nicht christlichen" Referendare, wenn sie .die vorgeschriebene fünfjährige Lehrzeit hinter sich hatten und von den Advokatenkorporationen (in Polen von den Kreisgerichten) vorgeschlagen wurden, zu Rechtsanwälten zu ernennen. Während der Revolutionszeit, in der die russische Regierung zu gewissen Konzessionen bereit war, tauchten verhältnismässig viele jüdische Rechtsanwälte auf. Der Korrespondent hebt hervor, dass sie äusserst schnell zu grossem Ansehen kamen. Nun schien jetzt neuerdings sich die Lage der jüdischen Juristen noch günstiger gestalten zu wollen: in einer Sitzung der Dumakommission für die Justizreform wurden Beschlüsse gefasst, deren Durchführung eine Art Gleichberechtigung für die jüdischen Advokaten bedeuten würde. Die jüdischen Blätter berichten darüber: Die Frage war folgende: In dem von der Regierung verfaßten Entwurf der Justizreform wird vorgeschlagen, dass die seit 1SS9 existierenden Beschränkungen bei der vom Justiz- Q