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Der jüdische Student · 1908-05-22 · Heft 2 (22.5.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 2 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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38 Der jüdische Student. Hast die Stimmung des Friedens aus und bittet sich höhnend um Verzeihung. Und wieder, wo er von heidnischen Göttern schwärmt, sieht sein Auge plötzlich das israelitische Hospital in Hamburg mit den kranken Juden darin, die an Armut, Körperschmerz und Judentum langsam dahingegen, und das Spiel Paganinis, das ihm eben einen griechischen Tempel vorgezaubert, wird schrill unterbrochen von der Stämme des Pelzmaklers, der zwei Taler Eintrittsgeld bezahlt und Watte in den Ohren hat. Wir vermögen nicht in frohem Genuss mit dem Schöpfer dieser Missklänge mitzugehen; wir erinnern uns nur erkennend an den Spruch eines jüdischen Weisen: Je grösser der Mensch, desto grösser die Leidenschaft. Zu gross nmd zu ehrlich scheint er mir, als dass er den Juden in sich hätte vor die Tür setzen und in dem Andern restlos aufgellen können. Gibt es irgend einen Beweis dafür, dass die Taufe nichts wegzuwasctien im stände ist, hier wird er mit tragischer Gewalt erbracht. (Man muss allerdings ein gewisses niedrigstes Mass von Persönlichem dazu besitzen; der geschmeidige Epheu kriecht schliesslich auch um den fremdesten Stamm.) Möglich, dass das Cynische, vor nichts Haltende scIumi in ihm schlummert, da er die Feder zum ersten Gedicht ansetzt. Sicher ist. dass die Traumbilder noch nichts davon ahnen lassen, dass erst die zunehmende Weltkenntnis seine Worte so blutig färbt. " Durch einen Umstand noch wird seine Zweiheit verschärft: Es mangelt ihm an jeder Tradition. Nie ist vor ihm ein Jude auf den Plan der deutschen Literatur getreten, mit dem Ehrgeiz, unter die deutschen Dichter gereiht zu werden. Er versucht's zum ersten Mal, muss sich erst den Stil dafür selbständig schaffen und begiimt noch dazu zu einer Zeit, wo der deutsche, wieder zum Stammesbewusstsein erwacht, heimlich ein einiges Vaterland ersehnt und wo die Nachkommen Chauvins, wie z. B. der Turnkunstmeister Massmann, die vaterländigsten Eunken schlagen. Heine steht diesen Männern nieilenfern, seine Art bleibt ihnen ganz unverständlich, selbst wenn er die Freiheit anbetet und gegen die Mucker wettert. Man liest seine Schriften, wie der Pia ff ins Variete geht, um sich von den drin hausenden Teufelinnen recht abschrecken zu lassen. Jeder lacht, angenehm gekitzelt, im Stillen über den ..geistreichen Heine**, aber niemand würde im Ernst für ihn eintreten. Er steht in Wahrheit allein, wie nur je ein Auserwählter allein gestanden hat. Ist es da verwunderlich, wenn seine ganze Wut (und er hat davon grossen "Vorrat) sich gegen Börne kehrt, der sich vollkommen im Deutschtum auflöst, „ein grosser Patriot, vielleicht der gröSste, der aus Germanien stiefmütterlichem Leben das glühendste Leben und den bittersten Tod gesogen . .'*? Ihm selber ist dieses Glück der Anpassung versagt. Kann man ihn richten, weil er sich mir unerhörtem Sefbsthewusstsein panzert? (Man hört so oft mit Beziehung auf ihn, dass die „wirklich Grossen" bescheiden gewesen.) Wir leugnen es nicht: Er preist sich selbst in einein berauschenden

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