Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 2 (22.5.1908)
- Date
- 1908-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Uer jüdische btudent. W Hymnus als das Scliwert und die Flamme. Er spöttelt über einen Ausfall des Kritikers Rüge gegen ihn: „Ich aber lebte irisch und gesund und unsterblicher als je.u Seinen Katcliff (der uns an die Hintertreppenromane unserer Tertianerzeit erinnert) erklärt er für ewig unvergänglich und stellt sich mehr als einmal neben den von ihm vergötterten Napoleon. - Aber wir erkennen: Er braucht diesen Weihrauch, auf seinem einsamen Weg, um nicht hilflos zu versinken. Der Glaube an seinen Dichtergenius hält allein das Innere noch zusammen. Ich möchte an dieser Stelle, da ich von seiner den Germanen unverständlichen Eigenart sprach, noch etwas anderes erwähnen: Des berüchtigte Verbot eines I leinedenkmals in Deutschland. Ich habe nie begreifen können, warum wir die Deutschen mit Gewalt dazu zwingen wollen, den ihnen in jeder Easer Fremden durch ein Denkmal zu ehren. Ich fände es genau so ungereimt, wollte man mich bewegen, zum Denkmal des deutschen Dichters Gustav Freytag (eines allerdings erheblichen Kleineren) etwas beizusteuern, für dessen schleimiges Gemüt mir jede Spur von Verstellen abgeht. Freuen wir uns. dass sie den Juden Heine zurückweisen! Gerade das macht ihn uns wert, zeigt, dass er immer unser gewesen! Wir verzichten auf freundliches Entgegenkommen, au!" gebildetes Mitleid. Der Mann, den wir feiern, hat's nicht nötig, sich von Fremden beschenken zu lassen, wir haben ihm in uns ein Denkmal errichtet, wie-s einem jüdischen Helden gebührt. Denn ein Held war er bis zu seinen letzten Stunden und geräde amEnde, da die Mouche ihm mit ihrer stinen Anmut die Qualen der Krankheit linderte. Keine Siegfriedsgestalt freilich, die, kindlich an Gemüt, mit goldenen Locken in die Sonne sieht und den Schmerz nur aus den Märchen ihrer Amme kennt, sondern eines leidenden und zerquälten Gottes Werk war sein Leben, der seine Asche zu Berge trug, von allen Teufeln war er besessen, ohne Grund unter den Füssen, ohne Sterne überm Haupt. Aber einer, der selbst seine Zerrissenheit noch genial gestaltete, ein Unsterblicher, von dem in uns allen etwas lebt. Es bedeutet wohl die höchste Tragik (würdig dass ein jüdischer Dichter unserer Zeit in ihr den Spiegel vorhalte), wenn er am Schlüsse seines Lebens bekennt: Von vielem wäre noch zusprechen: Von seiner politischen Betätigung, von seiner Glaubenslosigkeit. vor allem von seinen Liebesgedichten. Aber ich wollte nur einen ganz bestimmten, den leitenden Gedanken dieses Dichterlebens zeigen. Wenn dieser Erzeugende in manchem Werke Heines dem blossen Auge nicht gleich sichtbar Tag und Nacht hab* ich gedichtet und hab' doch nichts ausgerichtet. Bin in Harmonien geschwommen. und bin ich doch zu-nichts gekommen. i